„Das Gedächtnis der Welt“ von Marc Jeanson & Charlotte Fauve

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich vor 5 Jahren mein Herbarium für die Uni angelegt habe. Spazieren durch Wälder und Felder. Pflanzen sammeln, bestimmen und trocknen. Noch heute schaue ich mir gerne meine gepressten Blumen und Belege an. Kein Wunder also, dass ich dieses Buch, welches sich genau mit diesen Dingen befasst, unbedingt lesen musste! Ich bedanke mich ganz herzlich beim Aufbau Verlag für ein Rezensionsexemplar*!

Worum geht’s? Marc Jeanson ist promovierter Botaniker und Leiter am Nationalen Museum für Naturgeschichte in Paris. In seinem Buch lässt er die Leser hinter die Kulissen eines Herbariums und dessen Entstehung blicken. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch Zeit und Länder um uns eine fast verborgene Welt zu zeigen.

„Das Gedächtnis der Welt bestand auch in diesen Tausenden getrockneten Pflanzen, und jedes duftende Kron- und Nebenblatt zeugte vom Fortschritt der Wissenschaft oder vom ersten Kontakt zwischen fremden Kulturen, auf Gedeih und Verderb.“ S.88

Dieses Buch gehört definitiv zu meinen Highlights in diesem Jahr! Abgesehen von den tollen Illustrationen, welche das Buch durchziehen und erwähnte Sammler und Entdecker mit „ihren“ Pflanzen zeigen, hat Jeanson mich auf eine wundervolle Reise mitgenommen. In die Tropen, in die Wüsten dieser Welt. Geschickt verbindet er Wissenschaft (und Leidenschaft!) mit Geschichte. Er erzählt uns auf wunderbare Weise von den abenteuerlichen Reisen, welche im 18. Jahrhundert auf sich genommen wurden, um neue Arten im Pflanzenreich zu entdecken. Arten, die man heute nur noch kennt, weil eben diese Reise gemacht und ein Beleg erstellt wurde. Diese ganzen kleinen Geschichten über Adanson, Linné, Poivre und andere wichtige Entdecker haben mich fasziniert. Besonders gut hat mir hier gefallen, das man als Leser nicht von einer Flut an langweiligen Fakten erschlagen wird, sondern dass man sich auf kleine Anekdoten konzentriert hat. So zum Beispiel eine Anekdote über Pater d’Incarville welcher den Kaiser bittet, die Natur vor Peking besichtigen zu dürfen: Zehn Jahre wartet er, bis ihm eine Mimose als Geschenk für den Kaiser endlich die Tore nach draußen öffnet. Ebenso hat mir gefallen, dass nicht nur vom Sammeln und Ordnen berichtet wird, sondern dass mit dem Buch auch auf verbunden Themen aufmerksam macht: Rodungen in Brasilien, Städtebau, der Wandel und die Modernisierung der Wissenschaft und so weiter. Das Buch ist in viele kurze Kapitel aufgeteilt und eines, das mir besonders gut gefallen hat, war das Kapitel in welchem Jeanson von seiner eigenen Suche nach einer Palme berichtet. Denn diese Abenteuer sind auch heute noch nötig, um die unbekannten Pflanzen in unserer Natur zu entdecken. Ob er seine Palme findet?

Fazit Ein wunderschönes Buch, welches uns mitnimmt auf eine Reise durch die Welt und Zeit. Ohne mit zu vielen Fakten zu prahlen, wird dem Leser hier die verborgene und abenteuerliche Welt von Botanikern und anderen Entdeckern näher gebracht! Sehr zu empfehlen!


„Das Gedächtnis der Welt“ | M. Jeanson & C. Fauve | Aufbau Verlag | 224 S.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Felicitas Lutz sagt:

    Du hast mich neugierig gemacht, am liebsten möchte ich es sofort lesen.Es erinnert mich an eines meiner Lieblingsbücher „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann.

    Gefällt 1 Person

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