„Der Liebhaber“ von Marguerite Duras

Vor kurzem habe ich einen kleinen Stapel aus der Reihe „50 große Romane des 20. Jahrhunderts“ der Süddeutschen Zeitung geschenkt bekommen. Darunter befand sich auch Marguerite Duras‘ autobiografisch angehauchter Roman „Der Liebhaber“. Wir mir die das Buch gefallen hat, lest ihr hier im folgenden Text:

Worum gehts? Im Indochina der 20er Jahre beginnt eine 15 jährige Französin eine Beziehung zu einem älteren Chinesen. Rückblickend erzählt sie von ihrer Begierde, ihrer Kindheit, der Familie und ihrer späten Erkenntnis.

Noch so ein Buch, das mich ratlos zurücklässt. Duras‘ Schreibstil ist wirklich unvergleichlich: Faszinierend und abschreckend zugleich: Die Sprache wirkt zum Teil wirr, es wird viel wiederholt, kaum Luft geholt und doch ist es irgendwie poetisch. Obwohl autobiografisch angehaucht, ist der Lebensrückblick hauptsächlich sehr distanziert. Leider auch sehr sprunghaft was die Erzählperspektive und die Zeitlinie angeht. Einzelne Abschnitte – Das Buch ist nicht in Kapitel unterteilt- wirken zufällig platziert ohne tieferen Sinn, so zum Beispiel ein plötzlicher Gedanken an eine Mitschülerin in welchem ihr Name unzählige Male wiederholt wird. Am Ende weiß ich mehr über das Leben der jungen Französin mit ihren verkorksten Geschwistern und der scheinbar verrückten Mutter, als über diese skandalöse Beziehung. Ich habe mich ständig gefragt: Wohin führt die Geschichte auf diesen kaum 100 Seiten? Warum der Titel „Der Liebhaber“, scheint doch das gesamte Leben das Thema zu sein? Ich habe mich leider nur schwer damit auseinandersetzen können. Erst auf den letzten 10 Seiten scheint die Geschichte zur Ruhe zu kommen, vielleicht so wie das Mädchen erst später zur Ruhe kommt. Der Schreibstil entspannt sich etwas, es geht wieder um den Liebhaber.

„Es geht nicht darum, etwas zu erreichen, es geht darum, aus dem bestehenden auszubrechen“ S. 21

Fazit Einzigartige beschrieben, erfahren wir von dem Leben einer 10 jährigen Französin die im damaligen Indochina aufwächst. Sprunghafte Absätze und scheinbar zufällige Gedanken haben mir es leider schwer gemacht, mich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und deren tieferen Sinn – sofern es einen gibt- zu verstehen. Sehr schade.


„Der Liebhaber“ | Marguerite Duras | Süddeutsche Zeitung Bibliothek| 95 Seiten

Gleicher Titel, anderer Autor: „Der Liebhaber“ von A.B. Jehoshua

Dieser Beitrag muss als unbezahlte Werbung markiert werden.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Felicitas Lutz sagt:

    Das Buch habe ich nicht gelesen, aber den Film und der hat mir sehr gut gefallen. Ich hab ihn sogar zwei mal angeschaut. Der Regisseur hatte da wohl ein besseres Händchen.

    Gefällt 1 Person

  2. Der Liebhaber ist wie viele Werke, die wirklich großartige Literatur sind, nicht dazu gemacht, verstanden zu werden, sondern begriffen zu werden, oder vielleicht noch besser: sich ergreifen zu lassen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s