„Die Kanzlerin am Dönerstand“ von Torsten Körner

Wer in meinem Alter ist, kennt das vielleicht: Für mich gab es bis vor kurzem nur diese eine Bundeskanzlerin- also rein zeitlich gesehen. Sie war einfach schon immer da und schien auch irgendwie immer zu bleiben. Auch als Nicht-CDU Wählerin, hat „Mama Merkel“ auf mich eine gewisse Faszination ausgeübt. Torsten Körner nimmt sich dieser Frau und auch diesem Phänomen an und zeigt uns in vielen Miniaturen die unterschiedlichen Facetten der ersten und bisher einzigen Bundeskanzlerin Deutschlands auf. Aber nicht nur die Politikerin begegnet uns hier, sondern – und das macht dieses Buch für mich aus-, der Mensch Angela Merkel. Sei es als DDR-Kind, als partymachende Studierende oder als Kartoffelsuppen-kochende Ehefrau.

Was mir persönlich sehr gut gefallen hat, ist, dass es nicht um ihre politischen Entscheidungen geht. Wie sie zu Entscheidungen findet, was ihr politisches Wesen ausmacht, ja. Aber es wird nicht zu einem politischen Buch gemacht. Es gibt das Minimum an Politik her, dass es eben geben muss, wenn man von einer Kanzlerin schreibt. Ich habe durch dieses Buch auch viel Hintergrundwissen erlangt, denn Frau Merkel war natürlich nicht einfach plötzlich Bundeskanzlerin. Niemals hätten die alten Männer von damals gedacht, dass eine Frau und dann auch noch eine, die in der DDR groß geworden ist, dieses Amt übernehmen würde. Mich hat vor allem ihr Humor, ihre Gelassenheit und doch bestimmte Art faszinieren können. Natürlich sehen wir die Kanzlerin hier nun durch die Augen des Autors und es ist auch keine sachliche Biografie. Daher fand ich es auch gut, dass am Ende ein Einblick in die Arbeitsweise zu diesem Werk gegeben wurde.

Die Miniaturen sind sehr unterschiedlich. Manchmal sind sie sehr analytisch, dann wieder persönlich und heiter. Besonders gut gefallen haben mir hier die Kapitel die Merkels Verhalten über die Jahre hinweg aufschlüsseln und auch in Relation zu ihrem Beruf und Umfeld setzen. So wird ein Kapitel ihrer Sprache, den Bergriffen die sie verwendet gewidmet. Ein weiteres Kapitel fokussiert ihre ikonische Haltung der Hände.

Fazit: Wer einen neuen, interessanten Blick auf Angela Merkel, abseits von aktueller Politik haben möchte, dem kann ich dieses Buch wirklich empfehlen. Auch oder gerade dann, wenn man wie ich nicht viel von der CDU hält.


„Die Kanzlerin am Dönerstand“ | Torsten Körner | Kiepenheuer & Witsch | 304 Seiten

*Unbezahlte Werbung, selbstgekauft.

Werbung

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Babsi sagt:

    Interessantes Buch, habe ich mir gleich mal gemerkt. Ich habe Frau Merkel nie gewählt, aber sie hatte meinen Respekt. Sie hat Deutschland souverän vertreten, keine Leichen im Keller, sie war gleichbleibend freundlich, egal wen sie getroffen hat – ich denke, wir werden sie irgendwann noch schmerzlich vermissen.

    LG Babsi

    Gefällt 1 Person

    1. Pialalama sagt:

      Genau so geht es mir auch! Ich hoffe das Buch gefällt dir dann genauso wie mir, falls du es liest.

      Lg Pia

      Like

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s