„Nachwehen – Trost und Hilfe bei überwältigenden Gefühlen rund um die Geburt“ von A. Rösler und E. Höllrigl Tschaikner

Wenn man (das erste Mal ) Mama wird, dann geht das mit einem ganz schön großen Gefühlschaos einher. Und auch ich war die ersten zwei Wochen nach der Geburt ein heulendes Häufchen Elend. Inzwischen denke ich nicht mehr so oft daran zurück und dennoch hat das Buch „Nachwehen“ mein Interesse geweckt. Kann mir der Inhalt dieses Buch wirklich Trost und Hilfe spenden?

Worum geht’s? Annika Rösler und Evelyn Höllrig Tschaikner sind weder Ärztinnen noch Hebammen noch Psychologinnen. Sie sind einfach nur Mütter. Sie haben bereits mehrere Kinder auf die Welt gebracht und irgendwie lief nicht immer alles so wie es geplant war. In ihrem Buch schreiben die beiden nicht nur ihre eigenen Erfahrungen von der Seele, sondern möchten auch den Leser*innen einen guten Rat mitgeben.

Das Buch thematisiert zunächst die Schwangerschaft und damit einhergehende oder auch ausbleibende Gefühle. Dass es völlig Ok ist, nicht sofort in Freudentränen auszubrechen und von der ersten bis in die letzte Sekunde voller Glücksgefühle zu sein. Anschließend wurde sich der Geburt gewidmet und wie sich trotz aller Planung die Wunschgeburt in einen ungeplanten Alptraum verwandeln kann. Wenn zum Beispiel aus der geplanten vaginalen Geburt plötzlich ein Not-Kaiserschnitt wird oder man zum Überleben der Schmerzen doch lieber eine PDA benötigt. Es wird erzählt von den üblichen „Lügen“ die man sich von anderen Mamis anhören darf und es hagelt Kritik an die Welt der Medizin. Das Wochenbett war für mich der Teil, auf den ich am meisten gespannt war, denn ab dort fing es ja bei mir an mit der Heulerei. Doch leider muss ich sagen: So wirklich überzeugen konnte mich dieser Ratgeber nicht. Und das hat gleich mehrere Gründe. Beginnen wir damit, dass ich es nur sehr schwer einordnen konnte, wem und wann ich jemandem dieses Buch empfehlen würde. Ich selbst hatte zum Beispiel keinerlei Probleme während der Geburt, was allerdings auch daran lag, dass ich nicht wirklich etwas geplant hatte und ich auch das Team im KH für sehr kompetent gehalten habe. Es war für mich also sogar eher so, dass ich durch das Geburtskapitel mir eingeredet habe, dass vielleicht doch irgendetwas falsch gelaufen ist. Ich denke auch, dass der Zeitpunkt, wann man dieses Buch lesen sollte schwierig zu finden ist. Mir hätte es nicht gefallen, von all diesen Vorwürfe an die Anderen zu lesen. Es hätte mir nicht geholfen, es hätte mich wahrscheinlich nur noch wütender gemacht. Trost und Hilfe habe ich mit diesem Buch nicht gefunden, dafür hat es mir an Tiefe gefehlt. Denn auch wenn die Autorinnen sagen, dass wir als (neue) Mütter nicht hören möchten „dass das alles normal ist und wieder vorbei geht“ so kommt es mir am Ende genau danach vor, dass eben auch hier wieder nichts anderes geschrieben wird. Nur ein bisschen breiter aufgefächert.
Der letzte Teil befasst sich dann noch mit der selbstbestimmten Geburt, was an sich sehr interessant und auch ein wichtiges Thema ist, allerdings finde ich auch hier, dass es in Bezug auf den Buchtitel schon etwas über das Ziel hinaus geht – zumindest in diesem Umfang, wie er hier am Ende nochmal beschrieben wurde. Hätten die beiden dieses Thema in den Titel eingebaut, wären die Erwartungen anders aber auch besser erfüllt gewesen. Zudem habe ich den Text als große Kritik an die Medizin, Ärzte und Hebammen empfunden. Natürlich ist diese Kritik durchaus berechtigt, aber auch hier fand ich es in Anbetracht dessen, dass dieses Buch einem eigentlich Trost spenden soll, etwas zu viel des Guten. Zu guter Letzt möchte ich noch den Ton im Buch ansprechen, denn der hat mir persönlich überhaupt nicht gefallen. Es war einfach nicht meine Art von Humor und an manchen Stellen musste ich so stark mit den Augen rollen, dass es fast weh getan hat. „Hohes Gericht, wir beantragen hiermit offiziell Freispruch für uns. Und für dich direkt mit! Fühlt sich hier noch jemand schuldig? Lass uns diesen hartnäckigen Emotionsbrei von uns streifen wie warme Babykotze.“ (S. 127). Ja, manche können Dinge besser verarbeiten, wenn andere mitleiden und das Ganze in einen Mantel von humorvoller Sprache wickeln, aber ich persönlich gehöre nicht dazu. Natürlich verarbeitet und empfindet jeder bei diesem Thema anders. Es kann gut sein, dass jemandem das Buch deutlich besser zusagt, wenn man selbst ebenfalls eine schreckliche Geburt erlitten hat. Tatsächlich würde ich dieses Buch aber den Angehörigen und Freunden von Schwangeren empfehlen, damit diese sich darauf vorbereiten können. Denn auch das wird angesprochen: Wie verletzend es sein kann von der Schwiegermutter zu hören „Jetzt heul mal nicht so viel rum“. Oder wenn die Freundin einem sagt „Dass bei ihr ja alles super lief!“. Hier sehe ich für das Buch ein Potenzial, denn es kann sicherlich helfen, wenn man weiß, wie man andere bei ihren Gefühlen unterstützen kann.

Fazit: Für mich ein sehr schwer einzuordnendes Buch, dass meiner Meinung nach den Erwartungen an den Titel nicht gerecht wird. Für Angehörige von Schwangeren könnte dieses Buch jedoch hilfreich sein um später besser zu Unterstützen.


„Nachwehen“ | A. Rösler & E. Höllrigl Tschaikner | Kösel Verlag | 224 Seiten

Ich bedanke mich beim Bloggerportal und dem Köselverlag für das Rezensionsexemplar. Unbezahlte Werbung.

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