„Das Marterl“ von Johannes Laubmeier

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Vor ein paar Wochen habe ich den Debüt-Roman „Das Marterl“ von Johannes Laubmeier gewonnen. In einem Gespräch* sagt Laubmeier, dass er zunächst „nur eine Reportage“ schreiben wollte, später aber realisiert habe, dass dies so nicht funktioniert. Denn: Der Autor spiegelt in diesem Buch sein eigenes Leben, seine eigenen Empfindungen wieder. Es ist mein erstes Buch aus dem Tropen Verlag, welcher seit 2007 zur Klett-Cotta Gruppe gehört. Wie mir das Buch gefallen hat, lest ihr wie immer im Folgenden:

Worum geht’s? Der Erzähler kehrt nach vielen Jahren an den Ort seiner Kindheit zurück, eine Kleinstadt in Niederbayern. An diesem Ort, voll von ländlicher Folklore, erinnert er sich zurück an seinen Vater, dessen tödlichen Motorradunfall und das „Danach“. Auf der Suche nach Antworten blickt er auf seine Kindheit zurück und sieht die Veränderungen, die die Zeit hinterlassen hat.

Der Begriff „Marterl“ sagte mir bisher nichts, es hörte sich für mich an wie eine ländlicher Kosename für Martin. Beim Marterl geht es allerdings um Erinnerungen, um Gedenken. So erinnern zum Beispiel kleine Wegekreuze an eine verstorbene Person oder ein denkwürdiges Ereignis. Und das Buch ist genau das: Ein Marterl. Es geht um Erinnerungen und die Veränderungen der Zeit, darum, sich einem Ereignis zu Stellen. In diesem Fall stellt sich der Erzähler dem Tod seines Vaters, er möchte mehr dazu erfahren um damit abschließen zu können.

Nichts von all dem ist wirklich passiert. Und alles immer wieder.

Das Marterl, S.17

Johannes Laubmeiers Sprache ist stark und poetisch – aber niemals kitschig. Besonders gut haben mir die kleinen Textpassagen gefallen, die zum Beispiel einen historischen Hintergrund verdeutlicht haben. Auch die kleinen Verbindungen zu den Gedichten von Charles Olson, gehören zu den Details die ich an diesem Buch liebgewonnen habe. Laubmeiers Debüt ist wortgewandt und konnte mich sprachlich voll und ganz überzeugen. Aber auch vom Inhalt bin ich begeistert, denn ich selbst konnte mich mit vielen Dingen identifizieren: Kindheit auf dem Land, die Traditionen. Bei der Erwähnung der grünen „Herr der Ringe“-Ausgabe musste ich schmunzeln, denn wer kennt sie nicht? Zum Schluss möchte ich hinzufügen, dass dieser Roman auch sehr einfühlsam geschrieben wurde, ich hatte zu keinem Zeitpunkt ein unangenehmes Gefühl, diesen privaten Einblick zu bekommen.

Der Tag, an dem es passiert ist, existiert nicht. Und ich existiere nicht an dem Tag, an dem es passiert ist.

Das Marterl, S. 198

Fazit: Sprachlich wunderbar geschrieben und eine einfühlsame Reise in die Vergangenheit. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für dieses gelungene Debüt!


„Das Marterl“ | Johannes Laubmeier | Tropen Verlag | 284 Seiten

Unbezahlte Werbung. * Das Interview befindet sich in einer Leseprobe des Tropen Verlags.

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