„Wie wir die Welt sehen“ von Ronja von Wurmb-Seibel

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In den letzten Jahren habe ich gemerkt, wie sehr mich negative Nachrichten belasten. Ich erinnere mich noch genau an die Nacht, als ich von einer Eilmeldung aufgeweckt wurde: Anschlag bei einem Konzert von Arianna Grande. Ich las mich durch eine Meldung nach der anderen. Verletzte. Tote. Kinder unter den Opfern. Nachrichten wie diese lassen mich nicht mehr schlafen, lassen meine Gedanken kreisen: Warum ist unsere Welt so grausam? Wie soll ich meine liebsten schützen? Wann passiert uns so etwas? Mit jeder negativen Nachricht wurde meine Angst größer – bis ich mich kaum noch alleine hinaus getraut habe; in meinem Kopf Notfallpläne entwickelt habe. Ja, negative Nachrichten haben mir ein bisschen meine Freude genommen. Warum das so ist und wie ich mich davor schützen kann, darum habe ich mir dennoch keine Gedanken gemacht. Vor kurzem bin ich dann auf das Buch „Wie wir die Welt sehen – Was negative Nachrichten mit unserem Denken machen und wie wir uns davon befreien“ gestoßen. Ich habe mich sofort angesprochen gefühlt und wollte unbedingt wissen, was jemand anderes mir zu diesem Thema sagen kann. Ob ich euch das Buch weiterempfehlen kann, lest ihr wie immer im Folgenden:

Worum geht’s? Ronja von Wurmb-Seibel ist eine mehrfach ausgezeichnete Journalistin, die unter anderem zwei Jahre lang in Kabul als Reporterin gelebt hat. Eines Tages beschließt sie, keine Nachrichten mehr zu lesen. Sie hat genug von den negativen Berichten, den aussichtslosen Nachrichten, die ihr manchmal den Boden unter den Füßen wegreisen. In ihrem Buch gibt sie einen Einblick in die Welt des Journalismus und appelliert an ihn, konstruktiver zu schreiben: Nicht nur über das Problem, sondern auch über eine mögliche Lösung. Sie zeigt auf, wie wir es schaffen können uns nicht von all den negativen Nachrichten überrumpelt zu werden.

„Das, was uns eigentlich schützen soll – Informationen, Warnungen, Sicherheitshinweise-, macht uns kaputt, wenn wir es zu oft hören.“

R. von Wurmb-Seibel, S. 19

Ich muss es direkt sagen: Ich bin SO froh, dieses Buch entdeckt zu haben. Ich markiere selten Stellen in den Büchern die ich lese, aber hier konnte ich nicht genug markieren. Das Buch ist sehr informationsreich ohne dass einem davon der Kopf brummt, und ich habe einen neuen tieferen und vor allem interessanten Einblick zu dieser Thematik bekommen. All die Infos, insbesondere darüber wie der Großteil der journalistischen Welt tickt, haben mir geholfen zu verstehen, dass ich zum einen nicht alleine mit diesen negativen Gefühlen bin und zum anderen, dass die Welt nicht so grausam und hoffnungslos ist, wie sie uns manchmal erscheint. Bereits das Einführungskapitel hat mir sehr gut gefallen und ich habe mir danach direkt mehr Gedanken über mein eigenes Konsumverhalten bezüglich Nachrichten gemacht. An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass am Ende jedes Kapitels kleine Aufgaben sind, welche man in seinen Alltag einbauen kann um das Gelesene auch direkt anzuwenden: z.B. sich darüber Gedanken machen, wie viele negative Nachrichten in einer Zeitung stehen vs. der Zahl der positiven Beiträge. Bei diesen Übungen, die ich so erst mal nur in der Theorie durchgegangen bin, ist mir allerdings auch klar geworden, dass sich die Tipps nicht auf alles übertragen lassen. Aber ich denke, dass muss es auch nicht. Mir hilft es schon, wenn ich es auf einen Teil der negativen Nachrichten und damit verbundenen Gedanken anwenden kann.
Ronja Wurmb-Seibel möchte mit ihrem Buch nicht aussagen, dass man keine oder ausschließlich positive Nachrichten konsumieren soll, denn schreckliche Ereignisse wie zum Beispiel Naturkatastrophen sind unsere Realität. Es geht ihr auch nicht um Schuldzuweisungen. Aber sie appelliert an uns und insbesondere an Journalist*innen, dass wir auch Lösungen aufzeigen und uns wieder vermehrt auf das Positive konzentrieren sollen. Anhand vieler Beispiele aus der aktuellen Nachrichtenlage und aus ihrem privaten Leben, ist ihr ein spannendes, informationsreiches und meiner Meinung nach sehr hilfreiches Buch gelungen. Ich kann für mich persönlich sagen, dass ich durch das Buch mich selbst reflektieren konnte und z.B. als ersten Schritt meine Push-Benachrichtigungen ausgeschalten habe. Damit ich mir nicht mehr um drei Uhr nachts Gedanken darum mache, ob ich die nächsten Wochen vielleicht bei einem Anschlag sterben werde. Und ich denke, auch wenn man nicht so sehr unter negativen Nachrichten leidet, ist dieses Buch eine Bereicherung für jeden der es liest. Denn die Autorin zeigt auch auf, wie Nachrichten einen (unbewussten) Einfluss darauf haben wen wir wählen, wie wir die Welt sehen, wie wir uns verhalten und Entscheidungen treffen und auch, wie wir Vorurteile gegenüber anderen entstehen lassen. Also ja, ich kann und möchte dieses Buch jedem empfehlen.

„Wenn wir uns die Negativität um uns nicht bewusst machen, werden wir leicht zu einem Schwamm und saugen das Toxische der anderen Menschen auf“

M. Gielan

Fazit: Ein spannendes und sehr hilfreiches Sachbuch zu einem wichtigen Thema, dass uns irgendwie alle betrifft. Absolute Leseempfehlung und definitiv ein neues Lieblingsbuch!


„Wie wir die Welt sehen“ | Ronja von Wurmb-Seibel | Kösel Verlag | 238 Seiten

Unbezahlte Werbung. Ich bedanke mich herzlich beim Bloggerportal & dem Kösel Verlag für ein Rezensionsexemplar.

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