„Leoparda“ von Anja Schmitter

Heute möchte ich euch einen neuen Debütroman vorstellen. „Leoparda“ von Anja Schmitter erschien vor Kurzem im Lenos Verlag und erzählt von der skurrilen Verwandlung einer jungen Frau in eine Leopardin. Wie mir das Buch gefallen hat, lest ihr wie immer im Folgenden. CW: Sexueller Missbrauch.

Worum geht’s? Die junge Lehrerin Kleo, die eigentlich ein gutbürgerliches und angepasstes Leben in Zürich lebt, beschließt, dass sich etwas ändern muss. Unter dem Deckmantel sie sei im Urlaub, verkriecht sich Kleo in ihrer Wohnung und versteckt sich so vor ihren Eltern und den Freunden. Während Zürich in einer glühenden Hitze eingeht, verwandelt sich Kleo langsam in ihr Alter Ego Leoparda. Nach und Nach sucht sie – mit scharfen Zähnen und gefleckter Haut – Personen ihres vergangenen Lebens auf: Tinder-Date, Ex-Psychologin, Eltern, Schüler und Schülerinnen.

Ich muss zugeben: Ich habe selten eine so skurrile und merkwürdige, dennoch originelle Geschichte gelesen. Durch Schmitters Sprache wirkten die Ereignisse und Kleo auf mich distanziert und ich konnte mit der jungen Lehrerin zunächst nicht richtig warm werden. Ihre Aktionen wirken impulsiv, trotzig und irgendwann – gewollt natürlich – einfach nur noch verrückt. An einigen Stellen war ich zuweilen angewidert, doch irgendwo auch fasziniert von dieser Art des Wahns. Die Verwandlung von Kleo zu Leoparda nimmt Stück für Stück mehr Form an bis zur letztendlichen Verwilderung. Was mich ein bisschen gestört hat war der Umgang mit der ersten Szene von sexuellem Missbrauch. Zum einen störte mich, dass der Täter hier durch einen Asylsuchenden dargestellt wird – was für die Story nicht nötig gewesen wäre, zum anderen die Tatsache, dass Kleo immer wieder zu ihm zurückkehrt und versucht ihn in Schutz zu nehmen. Auch beim zweiten Vorfall versucht Kleo sich das negative Ereignis zwischendurch harmlos zu reden. Zwar tragen beide Ereignisse zur Entwicklung von Kleo/Leoparda bei, doch frage ich mich, ob man das nicht auch durch weniger problematische Situationen ermöglichen hätte können. Der Roman bietet sehr viel Spielraum für Interpretationen und Diskussionen, sei es die Verwandlung, die den Kern der Geschichte aus macht; der Wahn in Kleos Handlungen oder ihre Präsenz auf Social Media die zu einem biblischen Vergleich reicht.

Fazit: Um gefallen an dieser Geschichte zu finden, muss man sicherlich eine Liebe für das Skurrile, Wahnsinnige haben. Anja Schmitters Debüt hat mir zwar stellenweise gut gefallen, aber so richtig mitreisen und überzeugen konnte mich der Roman insgesamt nicht.


„Leoparda“ | Anja Schmitters | Lenos Verlag | 226 Seiten

Mein herzliches Dank an den Lenos Verlag für das Rezensionsexemplar. Unbezahlte Werbung.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Katja sagt:

    Was hast Du denn da wieder schönes entdeckt;)

    Katja

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