„RussenRap“ von Andrej Gelassimow

Vor Kurzem erschien beim Blumenbar Verlag das Buch „RussenRap“ von Andrej Gelassimow. Seine Geschichte basiert auf der Biografie des erfolgreichen russischen Rappers Basta, der hier durch den Jungen Tolja widergespiegelt wird. Ich muss gestehen, dass mir der Rapper Basta nichts gesagt hat, aber das sollte natürlich kein Hindernis sein, dieses Buch zu lesen! Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Aufbau Verlag zur Verfügung gestellt und wie es mir gefallen hat könnt ihr wie immer im Folgenden lesen. TW: Drogenkonsum.

Worum geht’s? Tolja wächst mit seinen Freunden in Rostow am Don auf, im Russland der 90er kurz nach dem ersten Tschetschenienkrieg. Die Zukunft scheint ohne Perspektiven und Drogen spielen bereits eine wichtige Rolle im Leben der Teenager. Die Armut prägt den Alltag, doch Tolja hat ein Talent: Er kann rappen. So gut, dass seine Freunde ihn zu einem Star machen möchten. Doch woher das Geld nehmen? Vom Joghurt-Verkauf der Mutter? Und so richtig mitmachen möchte Tolja da auch nicht.

Ich habe mir von dem Buch eine Geschichte über eine Rapperkarriere erhofft, wie man sie aus Filmen kennt: Ein Junge wächst ohne Perspektive auf, in Armut und mit frühem Kontakt zu Drogen und irgendwie schafft er es mit viel Drama, Ehrgeiz und Leidenschaft zu seiner Musik zum großen Erfolg. Im Großen und Ganzen trifft das auch hier zu, doch die Musik hat meiner Meinung nach eine viel zu kleine Rolle im Buch eingenommen. Vielmehr scheint mir die persönliche, auch soziale Entwicklung von Tolja im Fokus zu stehen. Für mich ist er ein Mensch, mit dem sich wahrscheinlich viele Jugendliche in seiner Lage identifizieren können. Die Story ist in drei große Teile und zwei Zeitstränge aufgeteilt. Zum einen erleben wir Toljas Jugend Ende der 90er in Rostow und zum anderen befinden wir uns knapp 20 Jahre später in Deutschland bei einem Konzert wieder: Wir wissen also schon von Beginn an, dass das mit der Karriere dann doch irgendwie geklappt hat. Vielleicht ist auch deshalb der musikalische Werdegang nicht ganz so groß ausgebaut worden. Im zweiten Teil des Buches befindet sich Tolja nach einem Drogenentzug in einem Kloster. Dieser Teil hat mir persönlich am besten Gefallen, sowohl was den Inhalt angeht, als auch die Sprache. Der starke Jugendslang aus dem ersten Teil wurde deutlich zurückgeschraubt und machte das Ganze angenehmer zu lesen. Inhaltlich hatte dieser Teil für mich deutlich mehr Wert als die anderen beiden Teile, da Tolja hier eine starke Entwicklung durchlebt und man als Leser mit diesem Kerl mit hoffen kann.
Der dritte Teil ähnelte sprachlich dann eher wieder dem ersteren. Die Rap-Abschnitte sind zwar weggefallen, aber die Musikkarriere rückt nochmal in den Vordergrund, genauso wie die Liebe.
Das Buch hat mir an sich gut gefallen, allerdings hätte ich mir etwas mehr Leidenschaft zum Rap gewünscht. Der Titel gibt hier natürlich eine starke Richtung vor und dadurch wirkt der Inhalt für mich etwas verfehlt, weil man die ganze Zeit noch auf den großen Rap-Knall wartet. Für mich hat sich die Geschichte wie gesagt eher durch den mittleren Teil mit Toljas Kloster-Leben lesenswert gemacht.

Fazit: Wer auf eine Geschichte mit intensiver Verbindung zur Musik hofft, wird hier vielleicht etwas enttäuscht. Ich halte sie dennoch für Lesenswert, denn Toljas perspektivenlose Jugend spiegelt die von vielen wieder und seine persönliche Entwicklung wurde interessant und authentisch beschrieben.


„RussenRap“ | Andrej Gelassimow | Blumenbar Verlag | 352 Seiten

Ich bedanke mich herzlich beim Aufbau Verlag für das Rezensions-Exemplar. Der Text wurde aus dem russischen von Thomas Weiler übersetzt. Unbezahlte Werbung.

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