„Am See“ von Bianca Bellová


Diese Rezension erschien zuerst auf Pialalama.de! Es würde mich sehr freuen, wenn ihr mir auf meinem neuen Blog folgt, denn dieser hier wird in den nächsten Wochen offline gehen. Dafür gebt ihr am besten einfach die URL im WordPress- oder einem anderen Feed-Reader ein! 


 

Vor Kurzem stellte ich euch auf meinem Blog das Buch “Bewahren Sie Ruhe” aus dem Verlag Kein&Aber vor. Und auch heute möchte ich euch einen weiteren Roman des Verlags & ein weiteres Mitbringsel der Leipziger Buchmesse vorstellen: “Am See” von Bianca Bellová.

Worum geht´s? Nami wächst bei seinen Großeltern am See auf. Seine Kindheit ist nicht wirklich von Glück geprägt: Er erfährt nur wenig Liebe und das Leben der Anwohner ist von Armut geprägt. Als er plötzlich nur noch sich hat, beschließt Nami den See zu verlassen und sich auf die Suche nach seiner Mutter zu machen, von der jeder behauptet sie sei eine Hure gewesen. Doch auf seiner Reise ist er stets auf die Hilfe anderer angewiesen und noch immer scheint sich das Glück vor ihm zu verstecken.

So schön ruhig und doch so kraftvoll, ist der Schreibstil von Bellová! Das Buch hat mich trotz geringer Spannung mit seinen Worten und der Atmosphäre in seinen Bann ziehen können, Und auch noch jetzt, einige Tage später, muss ich immer wieder an dieses Buch denken. Wir begleiten Nami dabei, wie er am See aufwächst. Ein See ohne Namen, fiktive Städte und Einwohner, deren Bezeichnung Uruborer ein Hinweis auf das Symbol der selbstverzehrenden Schlange ist, was wiederum wunderbar zurück auf das Buch übertragen werden kann. Die Atmosphäre dieses Landes ist trocken und träge. Und so träge diese Stadt ist, so tatkräftig ist Nami auf seiner Suche nach der Mutter. Der Junge übte auf mich eine gewisse Faszination aus. Er macht immer weiter, auch wenn ihm stets aufs Neue das bisschen Glück, das er zurückgewonnen hat, wieder genommen wird. Er trifft auf verschiedene Menschen, die für ihn eine wichtige Bedeutung erlangen und in gewissermaßen sein Leben lenken. Von diesen Menschen erfahren wir nicht allzu viel, doch es hat zu der Trägheit  des lahmen Alltag gepasst. Niemand gibt zu viel von sich preis, jeder kümmert sich nur um sich selbst.

An einigen Stellen haben mich Namis Erlebnisse, vor allem die, in denen er Gewalt begegnet, sehr betroffen gemacht. So wie ihm geht es vielen Kindern, solche Städte, Dörfer uns Seen gibt es noch immer viel zu viel. Und durch den namenlosen See wird dies meiner Meinung nach verdeutlicht. Das Einzige, das mich etwas gestört oder viel mehr verwundert hat, waren die russischen Soldaten. Die Orte, Namen und Bezeichnungen der Einwohner sind fiktiv, doch den Soldaten wurde eine real existierende Identität gegeben. Russische Soldaten gibt es wirklich. Ich hätte es passender gefunden, wenn auch hier einfach nur von Soldaten gesprochen worden wäre. Das hätte noch stärker verdeutlicht, dass dieses Szenario überall auf der Welt vorkommen kann.

Fazit Bellová hat mit ihren ruhigen und trotzdem starken Worten einen wunderbaren kleinen Roman geschrieben. Er mag nicht von größter Spannung sein und dennoch nimmt einen die Atmosphäre und das Schicksal von Nami ganz ein.


“Am See” | Bianca Bellová | Kein&Aber | 232 Seiten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s