„Der Golem“ von Gustav Meyrink – Klassiker der Bücherwelt

Klassiker_Header

Heute gibt es eine Rezension zu „Der Golem“ von Gustav Meyrink aus dem Jahr 1913/14. Im Voraus möchte ich jedoch erst noch erwähnen, dass dieses Buch für mich nicht ganz so einfach zu bewerten ist. Das liegt vor allem daran, dass ich das Gefühl habe, die Aussage hinter dem Buch nicht verstanden zu haben. In meinen Augen handelt es sich hier um ein Buch, das nach sehr viel Interpretation und Aufmerksam verlangt. Das ist mir jedoch erst bewusst geworden, nachdem ich das Nachwort gelesen habe. Da mein Fokus auf einem ganz anderen Punkt der Geschichte lag, wie der um den es sich eigentlich handelt, tue ich mich hier auch etwas schwer mit einer Inhaltsangabe für euch. Andererseits, finde ich den Klappentext genauso irreleitend.

Worum geht’s? Dem Gemmenschneider Athanasius Pernath widerfährt eine Reihe von merkwürdigen Ereignissen, die scheinbar alle mit der Sage rund um das Wesen des „Golems“ in Verbindung stehen. Diese Ereignisse, allem voran eine Begegnung mit einer ihm unbekannten Gestalt, lassen ihn nicht ruhen und in Pernaths Gedanken ständig neue Rätsel entstehen. Neben diesen Ereignissen, wird Pernath auch noch in eine problematische Angelegenheit gezogen, als sein Schützling Dr. Charousek, seine Teilnahme an einem Mord gesteht und eine junge Dame ihn um seine schützende Hilfe bittet.

20180121_112814~2

Die ersten paar Seiten habe ich mich sehr schwer damit getan, mich mit dem Sprach-Stil zurecht zu finden. Eigentlich bin ich die alte deutsche Sprache gewohnt, da ich recht häufig Bücher aus dem 19./20. Jahrhundert lese. Doch hier kam dazu, dass viele Sätze unvollständig und teilweise auch sehr hektisch klingen. Es war zwar eine schöne und oftmals poetische , aber eben auch anstrengende Sprache. Bis gut zur Hälfte konnte ich der Handlung nicht wirklich folgen und mit ihr auch nicht warm werden. Ab und zu war ich auch etwas genervt, da vor allem zum Beginn jeder zweite Absatz damit beginnt, dass Pernath starr und unbeweglich oder die Zeit wie im Flug vergangen ist. Vom Klappentext her, war ich auf eine Art Grusel-Geschichte rund um das Geschöpf eines Golems vorbereitet. Doch meine abenteuerlichen Erwartungen in dieser Hinsicht wurden enttäuscht. Da der Golem nur an wenigen Stellen vorkommt, hatte ich zwischenzeitlich überhaupt keinen Plan mehr, wo das ganze hinführen soll. Ab der Hälfte hat sich dann zum einen die Sprache deutlich gebessert und zum anderen hat sich hier  in meinen Augen auch endlich eine Handlung aufgetan, die auf ein Ziel hinarbeitet ( Mordsache und Hilfe bezüglich der jungen Dame). Die zweite Hälfte hat mir dadurch deutlich besser gefallen und mich davor bewahrt, dass Buch abzubrechen.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen, allerdings war ich auch etwas ratlos was nun den Golem anging. Glücklicherweise gab es ein Nachwort in dieser Ausgabe, so dass meine Frage schnell beantwortet wurde. Doch die Antwort hat in mir dann ein kleines bisschen das Gefühl von Scham verschafft. Offensichtlich habe ich die – sehr spirituelle – Aussage des Buches nicht verstanden. Ich wäre überhaupt niemals darauf gekommen, das alles SO zu betrachten, aber nun im Nachhinein gibt das alles natürlich Sinn. Das große Thema lautet hier: Identitätssuche/ Selbstfindung. Wer , so wie ich, ohne Vorahnung dieses Buch beginnt, sollte also eine große Portion an Interpretationsfreude mitbringen. Der Klappentext trägt natürlich auch seinen Teil zu diesem Missverständnis bei:

„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwacht die Legende vom Golem in Prag zu neuem Leben. Einst vom hohen Rabbi Loew erschaffen, wird er für den Gemmenschneider Anthanasius Pernath zur magisch-bedrohlichen Wirklichkeit. Mit der Restaurierung eines geheimnisvollen Buches nimmt für den ahnungslosen Mann ein düsteres Schicksal seinen lauf.“

Tut mir leid, aber bei diesem Text kommt mir der Gedanke, dass es hier um eine Identitätskrise geht, absolut nicht. Da wie bereits erwähnt, sich im zweiten Teil eine „neue“ Handlung auftut, wurde ich hier noch mehr von diesem Thema weggeleitet. Was mein „Unwissen“ unterstützt oder vielleicht auch erst möglich gemacht hat, war sicherlich auch diese Hektik auf den ersten paar Seiten, bei der ich mich nicht wirklich auf die Sätze konzentrieren konnte. Wahrscheinlich sind mir dadurch hier ein paar Details entgangen.

Fazit „Der Golem“ ist sicherlich kein einfaches Buch und ohne Vorkenntnisse zum Inhalt oder der Aussage des Buches, kann die Handlung zur Verwirrung führen. Ich zumindest hatte eine komplett andere Vorstellung von dem Inhalt. Die zweite Hälfte ist sprachlich gesehen, deutlich einfacher zu verstehen und weißt auch eine erkennbare Handlung auf, die jedoch wieder dazu führt, dass man vom eigentlichen Thema weggeführt wird. Wäre das Nachwort ein Vorwort gewesen, hätte ich die Geschichte mit ganz anderen Augen betrachtet, besser verstanden und auch mehr gefallen an ihr gefunden. So gab es jedoch vom mir auf goodreads „nur“ 3 von 5 Sternen, was einem soliden „gefällt mir“ entsprach.


„Der Golem“ | Gustav Meyrink | dtv | 272 Seiten

Mich würde zum Schluss noch interessieren, ob ihr das Buch auch schon gelesen habt und wie es euch dabei erging? Könnt ihr mein Problem mit der Handlung nachvollziehen oder war für euch sofort klar, dass hier das Thema Identitätssuche im Mittelpunkt steht?

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich hab den Golem auch vor zwei oder drei Jahren gelesen und bin anfangs eher davon ausgegangen, daß es ähnlich wie Frankenstein sein würde… Zumal ich irgendwie die Bilder von dem alten schwarz-weiß Film im Kopf hatte… Ich glaube, ich hab wirklich lange gebraucht, bis mir klar geworden ist, daß der Golem eine Metapher für die inneren Geister ist.
    Für den Schluss hätte ich dann auch eine Interpretation gebraucht. 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Pialalama sagt:

      Hallo!

      ich habe Frankenstein noch nicht gelesen, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich die gleiche Vorstellung habe 😀

      Ich habe zwischendurch einfach kurz gedacht, dass Pernath jetzt eben selbst zum Golem wird, ganz ohne Metapher. Soooooo falsch lag ich dann ja nicht, oder ?

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

  2. solera1847 sagt:

    Ich habe das ungekürzte Hörbuch vor ein paar Jahren gehört. Hmmmm, es waren die längsten Laufstunden meines Lebens, denn irgendwie schleppte sich dieser Roman zäh wie eiskalter Sirup dahin…

    Gefällt 1 Person

    1. Pialalama sagt:

      Das kann ich mir fast nicht vorstellen, bei der Hektik am Anfang 😀 Aber gut, ich hab ja vieles falsch gemacht mit dem Buch 😀

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s