„Die Unzertrennlichen“ von Stuart Nadler

Eine ganze Weile ist es schon her, da ist bei mir der im KiWi-Verlag erschienene Roman „Die Unzertrennlichen“ ins Regal eingezogen. Das Cover hat mich sofort begeistert, aber ob das auch für den Inhalt des Buches zutrifft, könnt ihr im Folgenden lesen:

Worum geht’s? Henrietta Olyphant ist nach dem Tod ihres Mannes in finanziellen Schwierigkeiten und sieht sich dazu gezwungen ihr Trash-Buch „Die Unzertrennlichen“ neu zu veröffentlichen. Bis zuletzt hat sie dies zu Verhindern versucht, doch nun stehen Kisten gefüllt mit rosanen Bücher in ihrem Haus und bringen sie zur Verzweiflung. Ihre einzige Freude scheint im Moment ihre Tochter Oona zu sein, die Aufgrund von der Trennung ihres Mannes bei Henrietta eingezogen ist. Ihr persönliches Problem sind keine Bücher, sondern der Paartherapeut. Und nicht nur das: Oonas Tochter wiederum, erlebt ihre schlimmste Zeit, als ein Nacktbild von ihr die Runde durch das Internat und schon bald auch über dessen Grenzen hinaus macht. Mit halb-gebrochenem Herzen und suspendiert von ihrer einstigen Traum-Schule, gesellt sich auch Lydia mit ihren Problemen zu den Frauen in  ihrer Familie.

Könnt ihr euch vorstellen, dass ich während den ersten paar Seiten geglaubt habe, dass das Buch von einer Frau geschrieben wurde? Dieser mit humorvollen Sätzen durchspickter Roman, erzählt so ergreifend von den momentanen Lebenssituationen dieser Frauen, dass ich aus irgendeinem Grund nicht das Gefühl hatte, dass hier ein Mann am Werk war. Chapeau, an Herrn Nadler, für seine wundervoll geschriebenen Worte!

„Als Spencer um Oona geworben hatte,  hatte er dies mit der zurückhaltenden Nonchalance eines Menschen getan, der darauf wartet, dass ein Ladenbesitzer mit der Sommerhose in der gewünschten Größe aus dem Lagerraum hinter der Theke zurückkehrte […]“

S. 139

IMG_20180123_194827.jpgIm Gegensatz zu den Generationsgeschichten, die ich bisher gelesen habe, geht es in diesem Buch ausnahmsweise mal nicht um das Zusammenleben von Personen unterschiedlichen Alters und den damit zusammenhängenden Problemen, sondern es geht um die Einzelperson. Hier steht die persönliche Entwicklung im Vordergrund und wie sich das Leben verändert hat. Die Großmutter, die nun im Alter alleine dasteht und auf ihr Leben zurückblickt; die Mutter, die auch alleine dasteht, sich aber noch Entscheiden kann, welches Leben sie weiterhin führen möchte und die Tochter, die mitten in ihrer Jugend feststellen muss, wie gemein und ungerecht das Leben sein kann. Von diesen drei Leben, hat mich vor allem Lydias Geschichte sehr mitgenommen. Nadler hat mit seinen Worten ein Mitgefühl in mir vorgerufen, dass ich nicht näher beschreiben kann. Eine 15-jährige, die offen und laut zu ihren Eltern sagt: „Mir geht es nicht gut!“ und trotzdem irgendwie ganz alleine dasteht. Verraten von einem Jungen, von dem sie dachte dass er sie liebt. Was dieses Mitgefühl verstärkt hat, war auch, dass ich selbst der Meinung war, dass Oona, Lydias Mutter, irgendwie viel zu locker mit dieser Situation umgeht. Anstatt ihre Tochter voll und ganz zu unterstützen, beschäftigt sie sich lieber mit ihrer eigenen Situation. Ganz im Gegensatz zu Lydias Vater. Das war übrigens ein Punkt, denn ich erfrischenderweise sehr gut fand! Auch wenn der Vater auf den ersten Blick nicht als ideal erscheint, ist er doch ein guter und liebender Vater. Ich hab genug von der eingerosteten Ansicht von perfekten Müttern und schlechten Vätern. Es geht auch andersrum, und das zeigt hier Nadler. Auch wenn die Reaktion des Vaters hier zeigt, dass das absolut keine schöne Situation ist, hätte ich mir gewünscht, dass auf das Thema mehr eingegangen wird. Es hätte in Bezug auf diesen Punkt ruhig etwas mehr Drama geben können, mit deutlichen mehr Teilnahme von Mutter und Großmutter.

Neben der persönlichen Entwicklung wird auch das Thema Sexualität und Frauen im Buch aufgenommen. Hier muss ich jedoch sagen, dass dieses Thema an den meisten Stellen für mich zu sehr gewollt gewirkt hat. So, als müsse man in dieser Zeit, in der beide Themen auf der ganzen Welt in aller Munde sind, unbedingt auch noch mit reinquetschen. Es gab zwar auch durchaus Momente, wo es nicht deplatziert gewirkt hat, aber das Gegenteil davon ist mir eben deutlich mehr aufgefallen. Zwischendurch hat mich das ganz schön durcheinander gebracht: Gefällt es mir, dass das Thema angesprochen wird? Gefällt es mir nicht? Ich weiß es nicht… Daher fällt das ganze für mich auch nicht allzu schwer ins Gewicht.

Fazit Stuart Nadler hat hier einen tollen, humorvollen und ergreifenden Roman über die die Entwicklung dreier Frauen geschrieben, die sich alle an verschiedenen Punkten ihres Lebens befinden. Nadlers wundervollen Worte haben mich mit diesen Damen mitfühlen lassen und mir gezeigt: Auch ein Mann kann gut über Frauen schreiben! Trotzdem gibt es auch ein, zwei Schwächen, die sich zum einen durch das etwas deplatziert wirkende Einbringen vom Thema Sexualität zeigt und zum anderen durch die zu kurz gekommene Auseinandersetzung mit Lydias Problem. Und dennoch: Ich muss euch dieses Buch wirklich empfehlen!


„Die Unzertrennlichen“ | Stuart Nadler | Kiepenheuer & Witsch | 368 Seiten

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. elizzy91 sagt:

    Liebe Pia, eine wundervolle Rezension zu einem sehr interessanten Buch!

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    1. Pialalama sagt:

      Dankeschön! Hast du es auch schon gelesen? 🙂

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  2. mllefacette sagt:

    Eine schöne Rezension. Klingt durchaus interessant, aber wüsste tatsächlich nicht, ob ich es mit nach Hause nehmen würde. Ich denke, das entscheidet sich eines Tages, wenn ich in der Buchhandlung stehe und mal ein paar Seiten reingelesen habe.

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  3. Ein Buch aus meinem SUB, mal sehen, wann ich dazu komme. Aber du machst neugierig! LG

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    1. Pialalama sagt:

      Wenn du es gelesen hast, dann lass mich gerne wissen wie du es fandest!

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      1. Mach ich, vielleicht im Sommer 🙂

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  4. Moin,
    Das Buch möchte ich auch noch unbedingt lesen!
    Ich wünsche Dir noch einen guten Wochenstart!
    Herzliche Grüße von meinem Lieblingsleseplatz,
    Verena
    #litnetzwerk

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  5. Liebe Pia,
    danke für die schöne Rezension und das tolle Foto des Buches! Das Cover hat mich auch schon ein paarmal angezogen, konnte mich bisher aber noch nicht dafür entscheiden. Jetzt steht fest, los auf die Wunschliste.
    Liebe Grüsse
    Isabel

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    1. Pialalama sagt:

      Hallo Isabel,
      freut mich, dass dir die Rezension gefällt 🙂

      Liebe Grüße!

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