„Die Glasbücher der Traumfresser“ von Gordon Dahlquist

Zum Jahreswechsel gab es für mich nochmal einen dicken Schinken zu lesen. Bei „Die Glasbücher der Traumfresser“ handelt es sich um den ersten Teil einer Reihe rund um Miss Temple und ihre Gefährden und um einen eindeutigen Cover-Kauf meinerseits! Allerdings waren auch die 12 lobenden Worte aus diversen Magazinen und Zeitungen nicht ganz unschuldig. Ob ich mich diesen Lobungen anschließen kann oder nicht, könnt ihr im folgenden Lesen:

Worum geht’s? Als die Verlobung von Celeste Temple mit Robert Bascombe durch diesen aufgelöst wird, ist die junge Frau davon überzeugt, dass sie betrogen wurde. Um Bestätigung zu finden, verfolgt sie Bascombe bis zu einer alten großen Villa, auf der ein Maskenball stattfindet. Durch ihre zügellose Neugierde und ein großes Missverständnis gerät Miss Temple in die Ereignisse einer gefährlichen Verschwörung die mit einem geheimnisvollen blauen Glas in Verbindung steht.  Doch sie ist nicht die Einzige, die sich plötzlich Feinde gemacht hat. Auch der Auftragsmörder Kardinal Chang und der Leibarzt eines deutschen Prinzen geraten der Verschwörungstruppe in die Quere. Es beginnt eine Aufregende Jagd und ein Kampf um Leben und tot.

IMG_20171225_142231_948Der Roman ist mit seinen 925 Seiten nicht gerade kurz und bietet daher sehr viel Platz für sehr viele Namen. Bis zur letzten Seite war ich mich noch nicht über alle Verhältnisse ganz klar, was ich jedoch nicht als allzu tragisch empfinde. Das Buch ist in 10 Kapitel unterteilt, wobei jedes Kapitel einer der Hauptpersonen zugeteilt ist. Diese Aufteilung führt an manchen Stellen dazu, dass einige Szenen wiederholt, aber aus anderer Sichtweise stattfinden. Mir persönlich hat das sehr gefallen. So kommt es zum Beispiel vor, dass ein Schussgeräusch von einer Person wahrgenommen, aber nicht genauer beschrieben wird. Aus einer anderen Sicht erfährt man dann, was es mit diesem Schuss auf sich hatte und wie es überhaupt zu dieser Situation kam. Durch dieses Stilmittel konnte – nicht zuletzt wegen Irreführung –  eine große Spannung aufgebaut werden, die sich durch fast das ganze Buch gezogen hat. Nur der Schluss hätte für meiner Meinung nach etwas weniger gedehnt sein dürfen.

Die Atmosphäre, die Dahlquist hier erschaffen hat, ist ein Gemisch aus Gothic Novel und viktorianischem Stil. Die Welt aufgeladen von Gelüsten, Träumen und alchemistischer Wissenschaft, die ich mir stets trüb-grau und grünlich schimmernd vorgestellt habe. Das Herzstück und der Hauptort des Geschehens ist die alte und riesige Villa Harschmort House. Hier durfte sich mein Herz über geheime Türen, Spiegel und Gemälde freuen, die perfekt zu der geheimnisvollen Verschwörung passen. Das Labyrinth dieses Hauses ergibt Zusammen mit dem Schreibstil aus verschiedenen Sichtweisen eine tolle Kulisse für die Ereignisse.

Der Schreibstil war an sich sehr angenehm zu lesen und Dahlquists Worte und Ideen haben wirklich meine Emotionen berührt. Sehr oft war ich einfach nur unglaublich wütend. Wütend auf dieses verdammte Pack, dass einfach nicht kleinzukriegen war. Wie Ungeziefer tauchte immer wieder ein anderes Mitglied der Verschwörung auf und auch wenn man weiß, dass sich am Ende höchstwahrscheinlich alles zum Guten wenden wird, leidet man doch mit den Qualen und der Hoffnungslosigkeit von Miss Temple, Kardinal Chang und Doktor Svenson mit. An einer Stelle musste ich wirklich einen Schrei loslassen, weil ich so mitgefiebert habe. Und Freunde, das macht für mich einen guten Schreibstil aus!

Eine Sache die mich beschäftigt hat, war  die Frage nach dem  großen „Wieso?“ hinter der ganzen Verschwörung und dem blauen Glas. Irgendwie ist das für meinen Geschmack nicht stark genug hervorgehoben worden. Ja es geht um Macht – das geht es immer-  aber Macht wozu? Was ist das endgültige Ziel der handelnden Personen gewesen? Wahrscheinlich geht es einfach um noch mehr Macht. Auch wenn die Antwort die Ereignisse wahrscheinlich nicht in einem anderen Licht dastehen lassen würde, hätte ich mir noch ein bisschen mehr Informationen zu der Idee aus Sicht der bösen Seite gewünscht.

Fazit  Gordon Dahlquist hat hier eine Kulisse ganz nach meinem Geschmack geschaffen. Geheimnisvoll, viktorianisch-gotisch und dunkel, mit ein bisschen Plüsch und Samt. Sowohl ein großes Maß an Spannung, als auch der Emotionen-ergreifende Schreibstil haben mir durchaus gefallen und den Roman – bis auf ein paar kleine Mängel – zu einer tollen Geschichte gemacht. Ich bin schon gespannt auf Teil 2!


„Die Glasbücher der Traumfresser“ | Gordon Dahlquist |blanvalet | 925 Seiten

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. elizzy91 sagt:

    Liebe Pia,
    Ich hätte das Buch auch vor allem wegen des Covers gekauft, einfach wundervoll! Die Geschichte hört sich wirklich sehr spannend an und der Erzählstil klingt besonders spannend! Schön hat dich das Buch so sehr begeistert, dass du den zweiten Teil lesen wirst!
    Wünsche dir einen wundervollen Tag ❤

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    1. Pialalama sagt:

      Hey!
      Die anderen Cover sind leider nur noch halb so schön! Hoffentlich bleibt die Story weiterhin gut 😉

      Liebe Grüße!

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  2. Hi Pia,
    ich habe das Buch vor etlichen Jahren gelesen und mich hat damals auch das Äußere gereizt. Es handelte sich um die Schuberausgabe, in der 10 dünne Softcover steckten – wirklich wunderschön. Inhaltlich war ich zeitweise irritiert von dem Roman, da ich ihn nicht wirklich einordnen konnte. Es steckte doch auch einiges an Erotik drin, auch wenn das nicht immer offensichtlich war. Da ich das nicht erwartet hatte, war ich überrascht. Wie schön, dass das Buch offensichtlich neu aufgelegt wurde und dir wünsche ich viel Spaß mit der Fortsetzung.

    Liebe Grüße,
    Sandra

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    1. Pialalama sagt:

      Hallo Sandra!
      Oh wie cool! Waren das dann alle drei Bücher oder nur der erste Teil?
      Ich weiß was du mit der Erotik meinst! Ich konnte auch nicht immer damit etwas anfangen.

      Liebe Grüße,
      Pia

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      1. Hallo Pia,
        es war nur der erste Teil. Und die Ausgabe ist wirklich wunderschön. Ich habe nach dem ersten nicht weitergelesen und bin gespannt, was du sagst, wenn du die Fortsetzungen gelesen hast.

        Liebe Grüße,
        Sandra

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