„Schwarz“ von Stephen King

Es ist geschehen: Ich habe mein erstes Buch von Stephen King gelesen. Vor einiger Zeit habe ich auf einem Bücher-Flohmarkt diesen Roman aus den 80er Jahren entdeckt und ohne große Überlegung auch gekauft. Mir war dabei nicht klar, dass es sich hierbei um den ersten Teil von Kings „Dunkler Turm“-Saga handelt, das wurde mir erst bewusst, als dieses Jahr auch der Film in die Kinos kam. Wie auch immer, das Buch wurde nach langer Zeit jetzt endlich gelesen und was ich davon halte, könnt ihr im Folgenden lesen:

Worum geht’s? Roland, der letzte Revolvermann, ist auf der Suche nach dem dunklen Turm. Der Mann in Schwarz soll ihn näher an sein Ziel bringen, also verfolgt Roland diesen, obwohl er weiß, dass es gefahren in sich birgt. Seine Reise durch die Wüsten und Gebirge einer fremden Welt, lange nach der Zeit des modernen Menschen, raubt ihm mit der Zeit den Verstand. Und dann ist da plötzlich der kleine Junge Jake.

Ich muss zugeben, dass ich mir bis jetzt noch nicht so sicher bin, was ich denn genau von diesem Buch halten soll. Ich habe die ganze Zeit versucht zu verstehen, wieso diese Reihe als Epos, vergleichbar mit Herr der Ringe, angesehen wird. Klar, das war jetzt nur der erste Teil, aber so wirklich mitnehmen konnte dieser mich leider nicht. Die meiste Zeit war nicht wirklich klar, was hier eigentlich passiert und ich habe die ganze Situation einfach nicht wirklich zu fassen bekommen. Auf den ersten paar Seiten war der Schreibstil auch noch etwas gewöhnungsbedürftig, was sich aber schnell wieder gelegt hat. Gewöhnungsbedürftig waren auch viele der Abschnitte, in denen Roland oder sonst wer plötzlich ganz dringende sexuelle Bedürfnisse zu haben scheint. Aus dem nichts, befindet man sich plötzlich in einer merkwürdigen Szene; bis man sie verstanden hat, ist sie auch schon wieder vorbei. Dieses Hopp Hopp von Szenen, hat mich ehrlich gesagt etwas enttäuscht.

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Die Welt, die King erschaffen hat, konnte ich mir leider einfach nicht im Kopf vorstellen. Irgendwas hat gefehlt. Ich habe einfach kein klares Bild vor die Augen bekommen. Es wird vielleicht in den anderen Teilen aufgeklärt, aber ich hätte mir zu gerne gewünscht, hier schon mehr darüber zu erfahren, in was für einer Zeit, in was für einer Situation wir uns befinden. Dem Leser ist zwar klar: Wir befinden uns weit nach unserer heutigen Zeit, aber wie weit? Und vor allem: Was ist passiert? Passieren ist hier schon das nächste Stichwort: Es passiert einfach nicht wirklich etwas.  Roland erzählt viel von seiner Kindheit, was an sich zwar nicht gerade uninteressant ist, aber an vielen Stellen auch eher unvollständig wirkt. Ansonsten verfolgen wir einfach den schwarzen Mann, ab und zu wird mal ganz unspektakulär rumgeschossen und naja, richtig spannend war es nicht gerade. Es gab zwar einen kleiner Moment, der sehr spannend hätte werden können, aber er wurde es nicht.

Fazit „Schwarz“ als Auftakt zur „Dunkler Turm“- Saga konnte mich leider nur wenig überzeugen. Es fehlte mir zu sehr an Spannung und leider konnte King es nicht schaffen, mir ein eindrückliches Bild von der Welt und der Zeit im Buch zu geben. Viele Szenen wirkten auf ihre Art und Weise sehr merkwürdig, teilweise waren sie so abrupt  zu Ende, wie wie auch begonnen haben.


„Schwarz“ | Stephen King | Heyne Verlag | 237 Seiten

 

Schade, dass mein erster King Roman einfach nicht meins war. Vielleicht ist die Reihe insgesamt tatsächlich fantastisch, aber wenn mich schon der erste Teil nicht überzeugen konnte, dann habe ich im Moment leider kein großes Bedürfnis danach, die weiteren Teile zu lesen. Habt ihr die komplette Reihe gelesen? Welches Buch von Stephen King würdet ihr mir empfehlen? 

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19 Kommentare Gib deinen ab

  1. fraggle sagt:

    Ich wusste, dass ich mit meiner Meinung nicht allein dastehe! 🙂 Ich sage immer, „Der dunkle Turm“ liest sich, als hätten sich Stanley Kubrick und Quentin Tarantino die Handlung während eines gemeinsamen Drogenrausches einfallen lassen…

    Allgemein gilt, so weit ich mich erinnere, „Schwarz“ als ein „Da-muss-man-durch“-Teil, was eigentlich nicht für die Reihe spricht. Daher habe ich King auch bis Teil 3 Gelegenheit gegeben, meinen Eindruck zu revidieren. Dann habe ich die Reihe entnervt abgebrochen.

    Als Alternative kann ich von King beispielsweise „Sie, „The Green Mile“ und ganz besonders „Die Arena“ empfehlen. Auch „Amok“, das unter dem Pseudonym Richard Bachman erschien, hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

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    1. Pialalama sagt:

      Hallo!

      Das mit dem „Da muss man durch“ habe ich jetzt auch schon ein paar Mal gelesen, aber ich bin der Meinung, dass das nichts daran ändert, dass dieser Teil eben schlecht ist. Und wie gesagt, es macht mich nicht gerade neugierig auf die anderen Bänder…

      Danke für die Tipps, ich werde mich danach umschauen! 🙂

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      1. Sven sagt:

        Ich muss zugeben, dass ich den ersten Teil auch nicht so gut fand. Die Teile danach haben mich aber fesseln können. Zur Welt des dunklen Turms bin ich durch den Episoden-Roman „Hearts in Atlantis“ gekommen. Der behandelt den Vietnamkrieg. Es kommt aber eine Figur aus der Turm vor, die mich damals so fasziniert hat, dass ich auch die Buchreihe lesen wollte.
        Mit dem Drogenrausch liegst du gar nicht so falsch. Stephen King war lange Zeit alkoholabhängig und drogenabhängig. Nach eigener Aussage kann er sich bei einigen seiner Romane nicht mehr daran erinnern, wie er sie geschrieben hat. Ich glaube ab dem dritten Band war er dann trocken. Seine Alkoholsucht und den Zustand, dass er teilweise vergessen hat, dass er Romane geschrieben hat, verarbeitet er in den letzten Büchern des Dunklen Turm. Hinzukommt, dass sich der Ton der Romane ab dem 5. Buch stark ändert und die Fantasywelt und Zauberei etc einen stärkeren Fokus bekommen. Da liest es sich dann angenehmer. Diese Änderung ging damit einher, dass Stephen King vorher einen lebensbedrohlichen Unfall hatte. Danach hat sich irgendwie seine Sprache gebessert oder der Übersetzer hat sich geändert.
        Ich mochte sonst noch „Das Mädchen“, „Atlantis“ und „Der Anschlag“ (obwohl ich das nur als Hörbuch hatte) sehr.
        Viele Grüße
        vom Stephen King Fanboy Sven 😉

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      2. Pialalama sagt:

        Hallo Sven! Erst Mal danke für die Buchtipps! Von diesen Titeln hatte ich bisher noch gar nichts gehört!

        Im Nachwort schreibt King, dass er für dieses Buch 12 (?) Jahre benötigt hat. Das ist schon eine ziemlich lange Zeit, da kann in einem Menschen natürlich viel vorgehen. Dass er ein Sucht-Problem hatte wusste ich bisher auch nicht.

        Liebe Grüße,
        Pia!

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  2. solera1847 sagt:

    Die Arena. Das Buch ist und bleibt ein Hammer, gegen Ende unfassbar spannend, davor Erzählkunst vom Feinsten. Hab‘s gelesen und zweimal gehört.

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  3. solera1847 sagt:

    Gestern hatte ich nicht ganz so viel Zeit, um die eigentlich auf der Zunge liegende Antwort zu schreiben: „Schwarz“ ist erst beim zweiten oder dritten Mal (das ist dann bei mir meist die Hörbuch-Fassung) gut. Beim ersten Durchlesen fand ich das Buch auch zäh. Der zweite Band ist wesentlich heftiger, Band drei und vier sind auch gut, weiter bin ich noch nicht. Aber – und das ist ein großes ABER: Hier badet Stephen King in seiner EPISCHEN Erzählweise, sodass ein kurz-knackiges „Auf-den-Punkt-Kommen“ nur am Ende langer Klimax-Phasen erreicht wird. Mittlerweile mag ich den Roman, aber ich kann es sehr gut verstehen, wenn man erst einmal erschlagen (und emotional etwas im Regen stehen gelassen) wird von der Welt, die sich „weiterbewegt“ hat. Fast wirkt es, als wäre Stephen King in Roland Deschains emotionslose Art geschlüpft, als er die Geschichte formuliert hat.

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    1. Pialalama sagt:

      Wie kam’s dazu, dass du nach dem ersten Mal lesen dann trotzdem weitergemacht hast? Aus Empfehlung oder weil du dich nicht damit Abfinden wolltest, dass ein King-Roman so zäh sein kann ? 😀

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      1. solera1847 sagt:

        Nein, ich fand einen gewissen Gefallen an der stoischen Art von Roland. Darüber hinaus gibt es ja eine nicht ganz kleine Schar von King-Fans, die diesen Zyklus über alle anderen Werke hinaus loben, da vermutete ich wohl, dass es sicher noch »wachsen« würde — und wurde in den drei folgenden Teilen auch nicht enttäuscht.

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  4. kleinewelle sagt:

    Hallo,
    ich kann deine Meinung so gut verstehen. Ich habe im November auch mit Schwarz begonnen und fand es ganz schön bescheiden. Aber diesen Monat habe ich den zweiten Teil beendet und dieser ist wirklich gut und wesentlich besser (was ja nicht schwer ist 😉 Was ich sehr lustig finde, ist die Zusammenfassung zu Beginn des zweiten Teiles, mit dieser hätte man sich den ersten komplett sparen können. 😀
    Als King Einstieg ist das wirklich ein sehr schlechtes Buch, denn es hat meiner Meinung nach so wenig von seiner Qualität. Du solltest unbedingt mal Das Mädchen, Misery oder Die Arena zum Beispiel lesen. Die sind so klasse!
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    1. Pialalama sagt:

      Hallo Diana!

      Dann hätte ich vielleicht auch direkt mit dem zweiten anfangen sollen 😀 Aber jetzt lass ich von der Reihe erst mal die Finger. „Die Arena“ wurde mir jetzt schon ein paar mal empfohlen, daher werde ich mir das Buch sicherlich noch zulegen.

      Liebe Grüße,
      Pia

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  5. Marc sagt:

    Hallo Pia,

    Schwarz als Einstieg in den Kingkosmos ist aber auch eine schwere Wahl. Das ist in der Tat eine etwas zähere Angelegenheit.

    Du kannst gerne mal auf meiner Seite nach dem Projekt Dark Tower schauen (https://lesenmachtgluecklich.wordpress.com/projekt-dark-tower/) und falls Interesse besteht mit Einsteigen. Auf die Welt, die King mit dem Turm erschafft, muss man sich ein Stück weit einlassen, dann bekommt man eine richtig gute Geschichte geliefert. Falls du es mit Band 2 noch probierst bin ich gespannt auf deine Meinung.

    Falls du einen „leichteren“ Einstieg zu King brauchst empfehle ich,„Der Abschlag“.

    Liebe Grüße
    Marc

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    1. Pialalama sagt:

      Hallo Marc,

      Dass das nicht der beste Einstieg war, wurde mir jetzt schon ein paar mal gesagt 😀 Tja, jetzt ist es zu spät. Ich denke, ich werde erstmal nicht mit der Reihe weiterlesen. Danke für den Buchtipp 🙂

      Liebe Grüße,
      Pia

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      1. Marc sagt:

        Und wenn du abseits einer Rezension einen Gastbeitrag zum Turm bei mir schreiben willst bist du herzlich eingeladen. Kannst dich dann austoben 😊

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      2. Pialalama sagt:

        Dank für das Angebot, ich werd’s mir überlegen 🙂

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      3. Marc sagt:

        P. S. Was mir gerade noch einfällt und vielleicht hilfreich ist beim Lesen: Einfach von der Vorstellung lösen, die man von King hat. Meist hat man den Horrorautor im Kopf, aber die Turmreihe ist fast gar kein Horror, mehr Fantasy und Western, gewürzt mit ein wenig Endzeitstimmung…

        Teil 2 wird garantiert besser. Strukturierter in der Erzählweise und keine Zeitsprünge mehr, dafür einige abgefahrene Ideen.

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  6. Ich mochte “Die Arena” sehr gerne, obwohl das natürlich ein dicker Wälzer ist – wie das bei King ja gerne mal der Fall ist. Das würde ich dir dennoch empfehlen, falls du es mit einem weiteren Buch von ihm probieren möchtest! ☺️

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    1. Pialalama sagt:

      Hallo !

      Ein weiterer Punkt für „Die Arena“! Scheint ja sehr beliebt zu sein 🙂

      Dicke Bücher machen mir eigentlich nichts aus, die sind in meinem Regal häufiger vertreten 🙂

      Liebe Grüße!

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