„Beren und Lúthien“ von J.R.R. Tolkien

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Vor ein paar Monaten habe ich voller Begeisterung Tolkiens „Die Kinder Húrins“ gelesen und gleichzeitig erfahren, dass kurz darauf „Beren und Lúthien“ erscheinen soll, eine weitere Geschichte die man bereits aus „Das Silmarillion“ kennt. Das konnte ich mir als großer Herr der Ringe Fan natürlich nicht entgehen lassen. Freundlicherweise wurde mir von dem Klett-Cotta Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Ob mir dieses Buch genauso gut gefallen hat, wie das letzte, könnt ihr im Folgenden lesen:

Worum geht’s? Der sterbliche Beren trifft im Wald auf das schöne Elbenmädchen Lúthien, die Tochter  des Elbenfürsten Thingol. Sie verlieben sich, doch Thingol ist gegen diese Liebe und scherzhaft meint er zu Beren, dass dieser Lúthien erst zu seiner Frau nehmen kann, wenn er ihm einen der Silmaril aus der Krone des bösen Feindes Morgoths bringt.  Aber Beren ignoriert den Scherz hinter der Bitte und macht sich auf den schicksalhaften Weg nach dem Juwel.

„Doch unbeschreiblich Lúthien war,
wie sie mit weißen Rosen im Haar
getanzt  und wie ihr Elbensang
in jener Sternennacht erklang.“

– Leithian Lied, S.127

Die Geschichte um Beren und Lúthien ist recht schnell erzählt, was sie aber nicht weniger schön und spannend macht. Herzstück des Buches ist das Leithian-Lied, eine Gedichtversion der Geschichte. Es lässt sich sehr einfach lesen und auch verstehen, was bei solchen Liedern ja nicht immer der Fall sein muss. Neben dem Lied gibt es noch zwei weitere Versionen, von denen mir vor allem die erste gefallen hat. Hier begegnen wir wieder völlig neuen Fabelwesen: Riesigen Katzen! In der zweiten Version treffen wir jedoch wieder „nur“ auf die gewöhnlichen Bewohner von Beleriand, darunter auch Thú, der später Sauron genannt wird.

Was mir auch hier wieder besonders gut gefällt, sind einfach diese Hintergründe zur Welt von Tolkien. Ich habe es schon mal gesagt: Die Welt von Tolkien, dieses großartige Werk das er geschaffen hat, fasziniert mich einfach immer wieder aufs Neue. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder ganz gefesselt von dem Zeitalter, den Elben und  den Helden, den Göttern, Königen und Bösewichten. Dazu hat natürlich auch der Schreibstil von Tolkien beigetragen, den ich immer noch nicht beschreiben kann. Man muss es einfach selbst gelesen haben. Aber wahrscheinlich würde ich es einfach als einen Märchen-Schreibstil bezeichnen. Märchenhaft sind neben dem Schreibstil auch die wundervollen Zeichnungen von Alan Lee, die wir auch in diesem Buch wieder vorfinden.

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Auch wenn mir diese wunderschöne Geschichte wirklich gut gefallen hat & ich vor allem von dem Leithian-Lied begeistern bin, gibt es leider auch einige Kritikpunkte, die sich hauptsächlich auf den Aufbau des Romanes beziehen:

Herausgeber des Buches ist wieder Christopher Tolkien, der versucht hat Ordnung in die wirren Notizen und Manuskripte seines Vaters zu bringen. Wie auch schon bei „Die Kinder Húrins“, gibt es wieder sehr viele Informationen zur Entstehungsgeschichte und zu den Hintergründen rund um dieses Werk. An sich finde ich das sehr schön, vor allem dann, wenn man ein Fan von Tolkien ist. Aber an manchen Punkten hätte ich mir gewünscht, dass der Aufbau ein bisschen anders gewesen wäre: Dieses Buch besteht, wie bereits erwähnt,  aus mehreren Versionen von „Beren und Lúthien“. Zu jedem dieser Versionen werden viele Worte von C. Tolkien geschrieben, was mich vor allem bei dem Leithian-Lied, dem Herzstück des Buches, gestört hat. Durch die Unterbrechungen, vor allem mit dem Vergleich zur zweiten Version, wurde mein Lesegenuss hier etwas gedämpft. Ich persönlich hätte die erste Version und das Leithian-Lied für völlig ausreichend gehalten. Zudem hätte ich es besser gefunden, wenn die Kommentare erst im Anhang gekommen wären. Im Vorwort wurden schon so viele Anmerkungen und Bezüge  auf den Text  genommen, dass ich manchmal das Gefühl hatte, mir wird etwas vorweg genommen. Für Leser, die nicht all zu viel von unterbrechenden und langen Kommentaren zwischen den Zeilen halten, ist dieses Buch wohl eher ungeeignet. Sollten diese aber dennoch in den Genuss der Geschichte an sich kommen wollen, dann empfehle ich hier eher „Das Silmarillion“.

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass die Geschichte noch ein bisschen über das Schicksal von Beren und Lúthien hinaus geht und wir hier von der Geschichte von Elronds Eltern erfahren. Auf der einen Seite vielleicht ein bisschen zu viel, auf der anderen Seite aber auch sehr schön!

Fazit Auch hier kann ich wieder sagen: Für einen Tolkien-Fan ein Muss! Allein das Leithian-Lied  ist es wert, diese wunderschöne Geschichte von Tolkien in das Regal zu holen. Aber auch die meisterhafte Welt und die vielen Hintergrundinfos lassen sicherlich die Fan-Herzen hier wieder höher schlagen. Und trotz des Lobes zur Geschichte an sich, muss ich auch so ehrlich sein und zugeben: Die ständigen Unterbrechungen durch Christopher Tolkiens Anmerkungen hätten nicht sein müssen – dafür hätte es auch andere Lösungen gegeben! 

„Im Alter von dreiundneunzig Jahren ist dies (vermutlich) mein letztes Buch in der langen Reihe von Editionen der Schriften meines Vaters […]“

– Christopher Tolkien, S. 19



„Beren und Lúthien“ | J.R.R. Tolkien | Hobbit Presse / Klett-Cotta | 304 Seiten

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