„Der Susan Effekt“ von Peter Høeg

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Nach langer Zeit habe ich mal wieder zu einem etwas neueren Roman gegriffen. „Der Susan Effekt“ erschien im Frühjahr 2017 als Taschenbuch beim Rowohlt-Verlag. Im folgenden lest ihr meine Rezension:

Worum geht’s? Susan Svendsen und ihre Familie befinden sich in einer misslichen Lage. In Indien ist ihr Leben auf die schiefe Bahn geraten, doch ihnen wird ein Angebot gemacht, mit dem sie ihre Haut retten können. Susan löst in den Menschen in ihrer Nähe das Gefühl aus, die Wahrheit sagen zu müssen. Diesen Effekt soll sie nutzen, um an ein geheimes Protokoll zu kommen. Doch während Susan mitsamt ihrer Familie versucht, dieses Dokument zu finden, merken sie, dass die Situation mehr Geheimnisse birgt, als zunächst angenommen. Und mehr Gefahren.

„Die meisten nähern sich dem Tod widerstrebend, ich zum Beispiel werde ihn schreiend erwarten und dabei mit den armen fuchteln. Andrea Fink schwebt ihm entgegen wie eine Operndiva bei ihrem Abschiedskonzert“ (S.1) 

Ich habe die erste Seite noch nicht zu Ende gelesen, da hatte mich Høeg schon mit seinem Schreibstil überzeugt. Wir lesen aus der Sicht von Susan und ihr Charakter spiegelt sich perfekt im Schreibstil wieder. Er ist klar und prägnant. Sie ist bestimmt, aber nicht auf eine herrscherische Art, sondern auf eine Art, die zu einer Frau passt die weiß ,was sie tun muss, um das zu bekommen was sie will. Auch sie zeigt klare Linien. Es wird nicht viel ausgeschmückt, aber es ist keinesfalls langweilig. Diese skandinavische Kühle ist deutlich zu spüren und das gefällt mir.

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Der Klappentext kann einen etwas irritieren. Ich habe zu diesem Buch oft gelesen, dass es langweilig wäre. Ja, wenn man davon ausgeht, dass es sich hier um einen Krimi oder um einen Thriller handeln könnte, dann schon. Und dieser Gedanke kann einem schnell kommen, wenn auf der Rückseite von Mord, Polizei und Kriminalität die Rede ist. Doch es ist eben „nur“ ein Roman. Und zwar ein gelungener! Ruhig, aber eindrucksvoll. Es geht hier nicht nur um Morde und ein geheimes Dokument, es geht hier auch um das Leben dieser außergewöhnlichen Familie. Man kann die Gefühle zwischen den einzelnen Familienmitgliedern gut nachvollziehen und merkt, dass sie besonders sind. Eine einstige Vorzeigefamilie, die lange versucht hat, ihre Macken und Kanten zu verbergen. Die sich voneinander distanziert hat, aber sich gleichzeitig nahe steht und im richtigen Moment als perfekt eingespieltes Team agieren kann. Høeg hat hier wirklich außergewöhnliche Charaktere erschaffen!

Auch wenn es sich um keinen Thriller handelt, hätte der Roman zumindest zwischendurch ein bisschen mehr Spannung vertragen, denn es wurde kurz etwas zäh. Aber zum Glück hielt das nicht lange an! Mir ist aufgefallen, dass viele schreiben, sie hätten den Roman lustig gefunden, humorvoll. Ich hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass hier irgendetwas lustig war. Zumindest mir kam alles ernst vor, was mir aber nicht negativ aufgefallen ist. Man darf hier, trotz Familien-Story, keine Gefühlsduseleien erwarten. Hier hat die analytische Denkweise die Oberhand!

Ein nettes Extra wäre es gewesen, wenn Herr Høeg uns vielleicht noch etwas genaueres zu den undankbaren Taten in Indien erzähl hätte. Nicht über Seiten hinweg, aber vielleicht ein paar Sätze. Ansonsten habe ich an dem Buch nicht wirklich etwas auszusetzen.

Fazit Peter Høeg hat mit seinen außergewöhnlichen Charakteren und seinem erstklassigen Schreibstil einen ruhigen, aber eindrucksvollen Roman erschaffen! Wer auf skandinavische Kühle und analytische Denkweisen steht, macht hier sicherlich nichts falsch!


„Der Susan Effekt“ | Peter Høeg | Rowohlt Verlag | 400 S.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Oh das Buch hatte ich mal gesehen und wurde neugierig, aber durch deine Rezensionen wandert es direkt auf meiner WuLi 🙂

    Liebe Grüße
    Suse 🙂

    Gefällt 1 Person

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