„Carol oder Salz und sein Preis“ von Patricia Highsmith

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Einen schönen Mittwoch euch allen. Heute gibt es eine Rezension zu Patricia Highmiths Roman „Carol oder Salz und sein Preis“. Einige von euch werden vielleicht den für mehrere Oscars nominierte Film „Carol“ mit Cate Blanchett gesehen haben, welcher auf diesem Roman beruht. Ich selbst habe ihn leider noch nicht gesehen, werde es aber definitiv noch tun, denn Cate Blanchett in der Rolle als Carol passt meiner Meinung nach perfekt.

Worum geht’s ? New York der 50er Jahre: Die 19-jährige Therese Belivet arbeitet in einem Spielwarengeschäft, als ihr eines Tages zur Weihnachtszeit eine Frau begegnet, die ihr sofort den Verstand raubt. Ihr Name ist Carol Aird, eine selbstbewusste Frau mit Familie und Haus. Sie lädt Therese zum Essen ein und nach einiger Zeit beginnen die beiden eine Beziehung. Während Therese scheinbar in totale emotionale Abhängigkeit von Carol gerät, verhält sich Carol immer wieder distanziert. Grund dafür ist der bevorstehende Streit um das Sorgerecht für ihre Tochter. Am Ende  geht es vor allem um die Frage, wie Carol sich entscheidet: Tochter oder Geliebte?

Ich habe den Roman während meines Urlaubs gelesen und ich war dabei soooo unglaublich entspannt. Irgendwie strahlt die Geschichte um Carol & Therese eine besondere Atmosphäre aus. Das war ein Gedanke, der mit ständig durch den Kopf ging: Dieses Buch strahlt etwas, friedliches und entspannendes aus. Der Schreibstil von Patricia Highsmith hat mir also wirklich gut gefallen. Er war sehr sinnlich und zugleich von einer wunderbaren Leichtigkeit. Das macht mir direkt Lust auf noch mehr Romane von Highsmith!

Carol
Quelle

Ein Punkt der mir sehr deutlich aufgefallen ist, war folgender: Eine gleichgeschlechtliche Beziehung war in den 50ern sicherlich nicht gern gesehen und schon gar nicht wenn einer der beiden Personen verheiratet ist und ein Kind hat. Doch in diesem Roman geht es nicht darum, dieses Thema groß und breit zu diskutieren sondern, es wird vielmehr „ignoriert“. Aber nicht auf die negative Art und Weise, sondern auf die Art „Es ist doch egal!“. Die gesellschaftliche Kritik wird nur in sehr wenigen Sätzen angemerkt. Auch als Therese ihren Partner dazu ausfragt, scheint dieser über solche Fragen nicht wütend zu sein, sondern gibt auf eine normale Frage eine normale Antwort. Später, als er über die Beziehung zu Carol erfährt, ist er darüber zwar nicht sehr glücklich, aber mir schien es eher so zu sein, dass er sich über Thereses „Abhängigkeit“ mehr aufregt, als über die Beziehung zu einer anderen Frau. Versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, dass der Roman gar nicht auf die Gesellschaft eingeht, immerhin spielt es am Ende noch eine wichtige Rolle wegen des Sorgerechts. Es ist eher so, dass sich der Leser darüber bewusst ist, wie die Welt damals gedacht hat. Explizite Auseinandersetzungen sind, wie gesagt, jedoch selten im Buch zu finden.

Der Charakter von Carol hat mir sehr gefallen und wie bereits erwähnt, finde ich, dass Cate Blanchett perfekt für die Rolle war. Ich hatte den Trailer natürlich schon vor dem Buch gesehen und hatte deshalb   die ganze Zeit ein Gesicht vor Augen, aber ich hätte mir auch kein besseres dazu vorstellen können. Carol besitzt eine Ehrlichkeit und Leichtigkeit, gleichzeitig auch eine gewisse Strenge in sich, die im Buch wirklich sehr gut rüber kommt. Interessant: Während Therese in Buch an emotionaler Stärke gewinnt, weicht die Gelassenheit von Carol zum Ende des Buches hin immer mehr und ihr Schutzpanzer scheint zu zerspringen.

Fazit Ein wunderschöner Roman, der mit zwei wunderbaren Charakteren eine Liebesgeschichte erzählt, die mit ihrer Sinnlichkeit einen im Herzen berührt!

“It would be Carol, in a thousand cities, a thousand houses, in foreign lands where they would go together, in heaven and in hell.”

(Patrcicia Highsmith, The Price of Salt)


„Carol oder Salz und sein Preis“ | Patricia Highsmith | Diogenes | 464 Seiten

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