„Breaking News“ von Frank Schätzing

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Hallo euch allen! Nachdem jetzt schon länger kein Buch-Titel mehr auf meinem Blog aufgetaucht ist, möchte ich euch nun eine Rezension zu Frank Schätzings letztem Roman „Breaking News“ aus dem Jahr 2014 schreiben. Zuvor hatte ich bereits Schätzings Meisterwerk „Der Schwarm“ gelesen und ebenso wie dieser, ist auch „Breaking News“ den 1000 Seiten sehr nahe. Warum das jedoch nicht der einzige Grund für die lange Lesedauer war, werdet ihr gleich erfahren.

Worum geht’s? Der ehemalige Starreporter Tom Hagen möchte nach seinem steilen Abgang aus der Reporterszene, endlich wieder eine gute Story schreiben. Er ist Frontberichterstatter, immer voll im Geschehen. Doch vor Jahren beendeten die katastrophalen Folgen seiner egoistischen Entscheidungen seine Karriere. Und plötzlich steht da ein alter Freund und bietet ihm einen Deal an. Zwei CDs voller Daten über den israelischen Geheimdienst Schin Bet. Um an Geld für den Deal zu kommen, tritt Hagen in Kontakt mit seinem alten Chef, unwissend darüber, ob sich überhaupt wertvolle Infos auf den Discs befinden. Als Hagen die Unsicherheit seines Chefs merkt, erfindet er kurzer Hand eine Lüge, die es in sich hat. Nur, dass es eigentlich gar keine Lüge ist. Und schon befindet sich Hagen auf der Zielliste des Schin Bets und einer terroristischen Untergruppe.

Der Roman ist in zwei Geschichtsstränge unterteilt. Zwischen der eigentlichen Story um den Journalisten, erwarten den Leser sehr lange Passagen mit politischen und geschichtlichem Hintergrundwissen zum Nahost-Konflikt. In diesem zweiten Geschichtsstrang lernen wir unter anderem die Familien Kahn kennen. Die jüdische Familie flüchtete aus Deutschland hinüber in den Nahen Osten um sich auch dort nur wieder im Krieg zu befinden. Wer das Buch liest, sollte danach in jeder Geschichtsklausur eine Eins schreiben können, denn hier wird jedes Ereignis des Konflikts zwischen Juden und Arabern abgehakt. Wir lesen über den Sechstagekrieg, Sues-Krise, Camp-David, Jom-Kippur-Krieg, Palästinakrieg, Libanonkrieg…wir lesen über alles, was auch nur annähernd mit dem Nahost-Konflikt zu tun hat.  Und ich muss sagen: Es war mir einfach zu viel. Als würde man Wikipedia von vorne bis hinten durchlesen. Dass Schätzing gut recherchieren kann, ist jedem seiner Leser bewusst – wir hätten es ihm auch mit weniger Details geglaubt. Die Geschichte der Familie Kahn und auch die von Ariel Scharon (Ja, DER Ariel Scharon) fand ich an sich wirklich nicht schlecht. Aber sie hätte meiner Meinung nach auch etwas später ansetzen können. Und dann hätte man noch immer das bereits Erlebte KURZ anritzen können. Diese ewigen Geschichtsstunden haben sich so gezogen, dass ich vor allem zu Beginn das Buch ein paar Mal beiseitelegen musste. Zumal man sich eh nicht alles merken kann. Ähnlich erging es mir hier mit den ständigen Diskussionen die im Buch zwischen unterschiedlichen Leuten gehalten werde. Am Ende sagen sie alle das gleiche aus: Wir sind die, die hierhergehören, ihr müsst gehen.
Doch kommen wir zurück zu unserem Starreporter. Tom Hagen war mir vor allem zu Beginn sehr unsympathisch. Ich hatte schon erwähnt, das seine Handlungen egoistisch sind und er immer erst im Nachhinein seine Folgen erkennt. Er hält zu viel von sich, das merkt man. Zu spät wird ihm bewusst, was er da eigentlich immer tut. Doch er wandelt sich und am Ende hat man schon fast Mitleid mit ihm. Leider fand ich, dass seine Story neben der der Familie Kahn, etwas untergegangen ist. Gerade zu Beginn, nachdem Hagen seine persönliche Katastrophe erlebt, hören wir erst mal einige Seiten überhaupt nichts mehr von ihm. Was dann kommt, dient auch nur als Lückenfüller. Nach 400 Seiten kommt dann endlich das, wovon der Buchrücken gesprochen hat. Nach 100 weiteren Seiten nimmt das Buch dann auch mal richtig Fahrt auf. Und dann … dam dam dam. Gähn. Herzlich Willkommen zu einem weiteren Teil „Geschichte Israels: Erzählt von Jehuda Kahn und Ariel Scharon“. Und dass immer wieder. Eine wahre Holperfahrt. Action. Gähnen. Action. Nochmal durchbeißen. Haben wir es bald geschafft? – Versteht mich nicht falsch, ich finde den geschichtlichen Hintergrund nicht ganz unwichtig für die Geschichte und es ist auch interessant ein bisschen was darüber zu erfahren. Ich bin so jung, dass ich von da drüben nichts Anderes kenne als Krieg. Jetzt weiß ich deutlich mehr. Aber ich kann es nur wiederholen: Hier hat Schätzing, was die Länge angeht, es etwas übertrieben.  Und nicht nur das ist mir missfallen: Zu Beginn hatte ich starke Schwierigkeiten mit seinem durchaus hektischen Schreibstil und ständig abgehackten Sätzen. Teilweise habe ich mich gefragt, wer hier eigentlich erzählt, oder viel mehr eine Hasstirade hält. Zudem benutzt Schätzing hier teilweise Wörter, die man auch als Vielleser kaum kennt. Ist ja mal ganz gut ein paar gehobene Wörter anzuwenden, aber dann bitte so, dass man nicht das Gefühl hat, dass der Autor uns hier sein Können beweisen möchte.

Fazit: Die Geschichte um Tom Hagen, und auch um Ariel Scharon und Jehuda Kahn, hätte ein weiteres großartiges Werk werden können, hätte da nicht diese überausführliche und zu detaillierte Geschichtsstunde dazwischengefunkt. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass Herr Schätzing hier versucht und irgendetwas zu beweisen. Leider konnte ich dem Roman auf goodreads nur 2 von 5 Sternen geben, was einem „war okay“ entspricht.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Felicitas Lutz sagt:

    Vielleicht geht es ja nicht um Tom Hagen sondern tatsächlich nur darum die Geschichte des nahen Ostens der Neuzeit verständlicher zu machen. Ich finde es toll, wie du dich trotzdem durchgebissen hast. Schwierige Themen kann man leider nicht oft als leichte und spannende Kost darbieten. Schon beim Recherchieren für dieses Buch haben sich bestimmt jeden Tag neue Aspekte ergeben, die Erklärungen geben, in neue Richtungen weisen und dann zu einem 1000 Seiten starken Buch führen. Auf jeden Fall hast Du mich neugierig gemacht es zu lesen.

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