„Schnitt“ von Marc Raabe

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Das Jahr 2017 ist gerade mal ein paar Stunden alt, da ist mein Stapel ungelesener Bücher schon wieder etwas kleiner geworden. Am Sonntag habe ich Marc Raabes Erstlingswerk „Schnitt“ zu Ende gelesen und jetzt werde ich euch wie immer davon berichten. Da ich nun erneut auf ein Thema gestoßen bin, dass mich schon bei anderen Thrillern/Krimis aufgeregt hat, werde ich hier kurz darauf eingehen. Um was es dabei geht, werdet ihr dann noch lesen. Aber jetzt erstmal zum Inhalt des Buches:

Gabriel Naumann ahnt nichts von den bösen Machenschaften die um ihn herum gesponnen werden, als er eines Abends zu einer leeren Villa fährt, deren Alarm ausgelöst wurde. Während er im Keller ein seltsames Kleid betrachtet, wird einige Straßen weiter seine Freundin Liz Opfer eines Verbrechens. Zwar kann sie Gabriel noch kurz erreichen und um Hilfe rufen, doch als dieser im Park auftaucht, ist Liz verschwunden. Zurückgeblieben ist die Leiche eines jungen Mannes. Die Anwesende Polizei nimmt Gabriel fest und schenkt ihm keinerlei Glauben, als er versucht die Polizei davon zu überzeugen, nach Liz zu suchen. Für die Polizei ist er nur ein Mörder, der früher in der Geschlossenen zuhause war.
Gabriel muss sich also – nach einer interessanten Flucht-  selbst auf die Suche machen und dabei seiner Vergangenheit gegenüber treten. Angefangen bei seinem Bruder David, der ihm gegenüber sehr misstrauisch ist, so wie offenbar der Rest der Welt. Nach einiger Zeit wird Gabriel klar, dass ein schlimmes Ereignis aus seiner Kindheit mit der Entführung seiner schwangeren Freundin zusammenhängt. Doch er kann sich an diese bedeutsame Nacht nicht erinnern.

Hach, es war eine Achterbahnfahrt. Beinahe hätte ich das Buch nicht fertig gelesen, doch mein innerer Schweinehund wurde besiegt. Die Story des Buches gefällt mir eigentlich ziemlich gut, doch es gab einige Dinge die mich wirklich störten. Fangen wir an bei der Stimme im Kopf. Wie bereits erwähnt, gab es ein traumatisches Ereignis in Gabriels Kindheit, was offenbar zu einer Stimme in seinem Kopf geführt hat. Diese inneren Monologe, die sehr häufig im Buch vorkommen, haben mich zeitweise ziemlich genervt, da es das Geschehene einfach nur hinausdehnte. Die Dialoge tragen meiner Meinung nach auch nur teilweise dazu bei, Details über Gabriel und seine Vergangenheit preiszugeben. Die Stimme ist wie der böse Teufel auf seiner Schulter. Natürlich hat das ganze irgendwo einen Sinn, aber manchmal ist weniger mehr.
Des weiteren – und jetzt kommen wie zu dem oben angesprochenem Thema- hatte ich während des Buches einen kleinen Wutanfall und musste das Buch weglegen. Es scheint bei Autoren von Kriminalromanen und Thrillen ein beliebtes Ding zu sein, die Polizei als die bösen Komplizen der Verbrecher darzustellen. Damit meine ich, dass ich nun zum wiederholte Male lesen muss, dass die Polizei offenbar keinerlei Interesse daran hat, irgendwelche Verbrechen aufzuklären und nur das sieht, was sie sehen will – was meiner Meinung nach das Gegenteil von dem ist, was ein Polizist tun sollte. Ich beziehe mich hier auf die bereits angedeutet Situation von Gabriel bei der Polizei. Er bekommt einen Hilfe-Ruf von seiner Freundin während der Arbeit, baut einen Autounfall und im Park liegt plötzlich eine Leiche. Er erklärt der Polizei was er alles weiß und die Polizei hält ihn für einen lächerlichen Spinner. Natürlich wurden alle genannten Details von Gabriel überprüft, aber die stellen sich alle als „erfunden“ heraus. Okay, okay, das wurde natürlich vom Täter geplant, da kann man nichts machen. Aber würde eine vernünftiger Polizist nicht doch etwas Skepsis mitbringen und sich vielleicht denken – „Hmmm. Also jemand der eine Frau entführt und einen jungen Mann umbringt, der könnte schon auch in der Lage sein Beweise zu manipulieren“- Nein. Offensichtlich nicht.
So, beim ersten Mal, davhte ich mir einfach „Na gut, ist halt ein Psychothriller, irgendwo muss man ja Spannung reinbringen“. Aber dann, bringt Herr Raabe den gleichen Müll nochmal. Denn – Achtung Spoiler – Liz kann aus ihrer Gefangenschaft entkommen und zur Polizei gelangen. Tadaaaaaa. Man glaubt ihr nicht, denn schließlich ist es ganz normal, das durchfrorene, schwangere Frauen, in einem zerfetzen Designerkleid durch Wälder rennen und behaupten sie wurden entführt. Da wir ja immer noch vom gleichen Täter reden, werden auch hier wieder die Aussagen überprüft und für wirre Lügen gehalten. Meiner Meinung nach, hätte ein Polizist hier jetzt in Berlin angerufen und gefragt, ob eine Liz Anders als vermisst gemeldet wurde , dann hätte man wenigsten einen guten Anlass die Frau zu beschützen. Aber nein. Wieso sollte man sich die Mühe machen.
Ja ich weiß, das macht eben die Story spannend. Aber ich habe eben das Gefühl, die Polizei wird immer als unfreundlich, naiv und keinerlei Hilfsbereit dargestellt. Ein Thriller kann doch auch spannend werden, wenn die Polizei mithilft…
Wie auch immer, am Ende habe ich das Buch dann doch noch einmal in die Hand genommen und ich fand’s insgesamt auch recht gut. Spannung ist hier aus jeden Fall garantiert und für einen Erstlings Roman kann man eigentlich nicht viel meckern. Was mir besonders gut gefallen hat, war wie alle Dinge am Ende zusammenhängen. Die verschiedenen Personen, die zunächst für die Story eher unwichtig erscheinen, die Orte, die Berufe, all das gibt einem am Ende nochmal einen richtigen „Energie-Schub“ beim Lesen, so dass man das Buch gar nicht mehr weglegen möchte. Das Ende finde ich übrigens sehr gut gelungen, aber da müsst ihr schon selbst hin 😉

Auf goodreads habe ich dem Buch 3 von 5 Sternen gegeben, was einem „gefällt mir“ entspricht.

In der Hoffnung, das ihr meinen etwas längeren Beitrag bis nach unten gelesen habt, würde mich interessieren, was ihr zu diesem Polizei-Thema haltet. Habt ihr schon mal einen ähnlichen Gedanken dazu gehabt oder bin ich damit alleine ?

Liebe Grüße,

eure Pia!

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