Eine Busfahrt voller Fragen.

am

Ich steige aus dem Zug. Meine Augen wie immer auf den Boden gerichtet, um niemandem auf die Füße zu treten, gehe ich rasch die Treppen runter. Unter den Gleisen durch. Die Treppe rauf. „Warum ist Gleis 13 neben Gleis 1? Und warum Gleis 12 zwischen Gleis 2 und 3? Hätte man doch mal ändern können“  denke ich mir jeden Morgen auf’s Neue. Mit kurzem Blick auf die Bahnhofsuhr wird mein Gang schneller. Im Zick-Zack husche ich zwischen den entgegenkommenden Menschen durch. Richtung Ausgang, durch die Flügeltür nach draußen. Ich überquere den von Pfützen bedeckten Zebrastreifen. Und wie jeden morgen: „Der wird da noch ne ganze Weile halten müssen!“, denn von vorne und von hinten überqueren ununterbrochen Menschen diesen Zebrastreifen, sind auf dem Weg zum Zug oder zum Bus. Der Bus mit der Nummer 19 „BG Unfallklinik“ kommt an. Gefühlte 50 Studenten drängen sich an ihn ran, laufen neben ihm her, ehe er zum Stillstand kommt. Die Türen gehen auf, alle raus, alle rein. Ich erwische einen Fensterplatz.“Zum Glück. Meine Beine halten die Fahrt bis nach oben nie aus…“ . Der Bus fährt los, aber da ist noch jemand der rein will. Der Busfahrer scheint heute mal nett zu sein. Tür auf. Rein mit dir und weiter geht’s. Der Bus fährt über die Brücke, unter ihr der Neckar. Ich betrachte die überdimensionalen Blumenkästen die von den Laternen hängen. Denke mir:“ Wirkt irgendwie zu bunt für Ende Oktober. Oder für Herbst. Dass die überhaupt noch ihre Köpfchen hochhalten bei dem Wetter, so kalt wie es ist.“. Wir kommen an einer Reihe von Schaufenstern vorbei. Komischer Öl-und-Holz-Laden, Foto-Shop, Friseur, Gitarrengeschäft, leeres Fenster. „Haben die zugemacht? Schade, sah immer so gemütlich aus…“.
Der Bus fährt zur nächsten Haltestelle. Wilhelmstraße. Die Hälfte raus, neue Hälfte rein. Wir fahren an diversen Uni-Gebäuden vorbei. Naja, im Prinzip ist die ganze Stadt ein einziger Campus. Aber „hier unten“ sind die Studenten irgenwie anders. Hier unten scheint eine andere Welt für sich zu sein. Oder sind „wir oben“ die, die anders sind. Bin ich die einzige die das so empfindet? Der Bus fährt weiter. Wir halten an weiteren Stationen, der Bus wird nicht leerer. Das große Ziel ist noch nicht erreicht. Die erste Station für die erste Portion Uni-Kliniken ist erreicht. Aber für die gibt’s bessere Haltestellen, deshalb auch nur wenig Wechsel auf den Sitz- und Stehplätzen. Der Bus schiebt sich jetzt langsam den Berg hinauf. So langsam, dass ich mich jeden Tag auf’s Neue wundere: „Dass der nie stehen bleibt…“. Der schönste Ausblick der Fahrt kommt nun gleich. Wir sind schon fast ganz oben auf dem Berg. Die Straße ist von Bäumen und Büschen umzingelt, aber in der Kurve kommt eine freie Stelle. Und dann: rechts von mir kann man eine grüne Ader aus Bäumen erblicken, die sich durch das Wohngebiet zieht. Angestrahlt von der Sonne, umrandet von Nebelschwaden. Sicherlich gehört ein Teil davon zum Botanischen Garten, zum BotaGa wie ich ihn immer nenne. Ich genieße die drei Sekunden Ausblick und dann ertönt eine wohlbekannte Busansage. Jeder kennt sie. Wie einen Ohrwurm sprechen die meisten mit. Die nächsten Uni-Kliniken werden aufgezählt und zum Schluss: „…Bitte hier aussteigen.“. Jeden Tag auf’s Neue. Ich warte darauf, dass irgendwann wirklich  jede mitfahrende Person diesen Satz  mit spricht…
Uni-Kliniken Berg. Die Ampel steht wie immer auf Rot. Ein großer Haufen Menschen aus dem vorausfahrenden Bus überquert die Straße. Ich frage mich:“Ob das alles Medizin-Studenten sind? Oder auch Pflegepersonal? Oder einfach nur Patienten und Besucher…Aber so früh?“. Der Bus fährt los um fünf Meter weiter wieder anzuhalten. Die hälfte steigt aus. Kaum einer steigt ein. Es geht 50 Meter weiter. Und nach knapp 20 Minuten erreichen wie das Ziel. „BG Unfallklinik. Diese Fahrt endet hier.“. „Warum nicht „Naturwissenschaften“…oder sowas in die Richtung?“. Ich steige aus dem Bus. Meinen Blick auf den Boden gerichtet, um niemandem auf die Füße zu treten.

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  1. J-nice sagt:

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